Taxi-Fahrer : Aus für Abzocker

In Tegel sollen Taxi-Passagiere vor betrügerischen Fahrern besser geschützt werden – für einen 50-Cent-Zuschlag.

Christoph Stollowsky
taxi
Das lange Warten. Taxen am Flughafen stehen oft Stunden. -Foto: dpa

„Am Flughafen Tegel lauern die Abzocker“, sagen Kenner der Taxibranche. Fahrer, denen es nur auf eines ankomme – sie wollen Touristen abkassieren. Und dabei gingen sie immer auf die gleiche Weise vor: Kurze Strecken für einen geringen Preis werden nur ruppig akzeptiert oder gar abgelehnt, auf längeren Touren werden Umwege genommen, um mehr Kasse zu machen. Aber damit soll vom kommenden Januar an Schluss sein. Die Taxi-Innung und der Taxiverband Berlin-Brandenburg wollen künftig gemeinsam mit der Flughafen-Gesellschaft (BFG) die An- und Abfahrten in Tegel kontrollieren und mit einer neuen Benutzerordnung die „schlechten Sitten“ unterbinden. Das hat allerdings seinen Preis. Für Fahrten ab Tegel sollen Passagiere dann einen Zuschlag von 50 Cent zahlen.

„Es darf nicht sein, dass Besucher einen miesen ersten Eindruck von Berlin bekommen, nur weil sich einige Fahrer daneben benehmen“, sagt der Chef des Taxiverbandes Detlev Freutel und kündigt strenge Qualitätsstandards an. Ohnehin ist er zur Zeit bemüht, das Image seines Gewerbes kräftig aufzupolieren. Denn der ADAC hat in der vergangenen Woche, wie berichtet, einen Test veröffentlicht, nachdem Berlins Chauffeure auch im übrigen Stadtgebiet öfter Umwege fahren, um mehr zu kassieren oder schlicht, weil sie sich nur mangelhaft zurechtfinden. Die anonymen ADAC-Tester ließen sich auf mehreren Routen durch die Stadt kutschieren, dabei wurden sie bei jeder fünften Fahrt erst nach Umwegen zum Ziel gebracht und mussten bis zu 20 Prozent mehr als eigentlich nötig zahlen.

In Tegel sollen nun tagsüber bis zu sechs von der Flughafengesellschaft angestellte Aufpasser zum einen Ansprechpartner für die Fahrgäste sein und auf Beschwerden schnell reagieren. Zum anderen sollen sie darauf achten, dass die Regeln der schon weitgehend erarbeiteten Benutzerordnung eingehalten werden. „Darin verlangen wir ein korrektes und rücksichtsvolles Verhalten, einen freundlichen Umgangston und saubere Taxen“, sagt Freutel. Auch kurze Strecken dürfen nicht mehr abgelehnt werden, die Fahrer müssen ausreichende Deutschkenntnisse haben und sich auch auf Englisch halbwegs verständigen können. Wer diese Standards nicht einhält, dem drohen Sanktionen bis hin zum Platzverweis.

Der Senat hat signalisiert, dass er dem Projekt zustimmen will. Nun bleibt noch die Frage, wie die zusätzlichen Kosten für die Aufpasser von mehreren Hunderttausend Euro pro Jahr finanziert werden sollen. Diskutiert wird deshalb der 50-Cent-Zuschlag auf den Taxitarif ab Tegel. Dafür muss aber die Anfahrt zum Flughafen komplett neu organisiert werden.

Bisher zahlen Taxifahrer pauschal 70 Euro für eine Jahreskarte, die ihnen erlaubt, Tegel anzufahren. Künftig sollen sie nun für jede Nutzung einzeln 50 Cent aufbringen. Dafür wird eine Schranke mit einem Scanner vor den Nachrückestreifen installiert. Sie öffnet sich erst, wenn der Chauffeur seine Zugangsberechtigung einscannt und so registriert wird. Entsprechend der Zahl seiner Anfahrten zieht ihm der Flughafen den Zuschlag ab – den er sich vom Passagier zurückholt.

Dass Berlins Taxifahrer nach dem ADAC-Test auch generell wegen Abzocke und teils mangelnder Ortkenntnisse ins Gerede gekommen sind, liegt laut Taxi-Innung besonders an der wachsenden Fluktuation bei den Fahrern. Ausländische Zuwanderer wollten im Taxi schnell erstes Geld verdienen, Langzeitarbeitslose wieder ins Berufsleben zurückkehren. Doch häufig werde das Chauffieren nur als Übergangsjob auf dem Weg zu lukrativeren Tätigkeiten angesehen, ergänzt Michael Hoffmann vom Landesamt für Ordnungsangelegenheiten. Wer sich aber als Jobber verstehe, nehme Arbeit und Berufsehre weniger ernst.

„Dass teure Umwege gefahren werden, hängt auch oft mit Staus und Baustellen zusammen“, sagen Fahrer. Dann helfe auch kein Navigationsgerät, das etwa in jeder dritten Taxe eingebaut ist. Als Ersatz für die geprüften Ortskenntnisse wird es von der Behörde ohnehin nicht anerkannt. Aus Sicherheitsgründen: „Nur ein Chauffeur, der seine Strecke genau kennt, kann sich voll auf den Verkehr konzentrieren.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben