Tegel : Taxis auf Schleichwegen

Bislang hält sich kaum jemand an den Tegelzuschlag. Ab Montag will der Flughafen jedoch streng kontrollieren. Allerdings klagen mehrere Taxiunternehmer beim Verwaltungsgericht, um eine einstweilige Verfügung dagegen zu erwirken.

Werner Kurzlechner

Weiß auf Rot hat eine Fluglinie einen treffenden Werbespruch auf die Parkschranken am Flughafen Tegel drucken lassen: „Dieser Service ist ziemlich beschränkt. Unserer nicht.“ Ziemlich beschränkt – das finden auch die Taxifahrer auf dem Sammelplatz nebenan. Die neue, gelbe und werbefreie Schranke für ihre Zunft beachten sie einfach nicht. Seit Mittwoch soll sie eigentlich die einzige Zufahrtsmöglichkeit sein: Wer Passagiere mitnehmen will, benötigt einen schrankenöffnenden Transponder. Nur damit sollen Taxis auf den Sammelplatz für rund 600 Wagen und von dort weiter vor den Flughafenausgang gelangen. Die Kunden müssen dafür einen Tegelzuschlag von 50 Cent bezahlen, der ein sauberes Auto, gepflegte Kleidung und Kreditkartenzahlung garantieren soll.

Freitagmittag warten auf dem Sammelplatz nur 50 bis 100 Taxis. Früher war es hier immer voll, sagen die Fahrer. Aber auch die reduzierte Zahl reicht aus, dass die Fluggäste nicht vergeblich auf ein Taxi warten. Schlangen bilden sich nur zu Stoßzeiten. Einen Transponder hat hier allerdings kaum einer der Fahrer. Die Taxis zwängen sich aneinander vorbei und nutzen die Ausfahrt auch als Einfahrt – ein kostenloser Schleichweg. „Ich bin für Kontrollen – aber die müssten dann in der ganzen Stadt gelten“, sagt Baschir Schaffii. Ein Kollege zeigt auf seine akkurat gegelten Haare und seine schwarzen Markenklamotten. So adrett sehe auch sein Wagen aus. Aber die Kunden hätten bestimmt kein Verständnis für den Zuschlag, und er fürchte, dass sie dann beim Trinkgeld knausern.

Alles in allem also wieder einmal eine Berliner Regel, die nicht durchgesetzt wird? „Am Montag ist Schluss mit unserer Kulanz, dann greifen wir rigoros mit Unterstützung von Polizei und Behörden durch“, kündigt Flughafensprecher Eberhard Elie an. Schließlich sei der Tegelzuschlag vom Senat bestätigt. Allerdings klagen mehrere Taxiunternehmer beim Verwaltungsgericht, um eine einstweilige Verfügung dagegen zu erwirken. Etwa 700 der 3500 für Tegel angemeldeten Taxifahrer haben laut Elie mittlerweile einen Transponder.

Und es liegt nicht an Kulanz alleine, dass die Flughafengesellschaft gegen die Anwesenheit der Fahrer ohne Transponder bislang nicht streng eingeschritten ist. Hätte man diese Taxis verscheucht oder mit Kontrollen gegängelt, wären wirklich Taximangel und Warteschlangen der Passagiere entstanden. Das wiederum lag vor allem an der Modewoche: Viele Taxis fuhren wegen der Bread & Butter lieber Richtung Tempelhof, wo beigefarbene Autos auch am Freitagvormittag kolonnenweise Modemessenbesucher ausluden. Jeden Abend, kurz vor Messeschluss, mussten die Besucher teilweise stundenlang auf ein Taxi warten. Daran seien viele Fahrer selbst Schuld gewesen, weil sie die gesperrte Zufahrt über den Tempelhofer Damm statt diejenige über den Columbiadamm nutzen wollten, sagt ein Ordner. Das habe trotz Hinweisschildern zu erheblichen Verzögerungen geführt.wek

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