Tempelhof : Bleibendes Andenken

In vier Tagen schließt der Flughafen Tempelhof. Architekt Bernd Faskel will dort weiterhin Flugzeuge sehen: Eine Ausstellung schwebt ihm vor.

Christian van Lessen
tempelhof Foto: Meissner
Abschiedsbesuch am Rollfeld. Was aus dem Flughafen werden könnte, erzählt unsere Serie. -Foto: Meissner

Oft ist es im Büro an der Rheinstraße sehr laut. Er hat sich darauf eingestellt. Über Friedenau brummen nun mal Flugzeuge, und er arbeitet in der Einflugschneise. Architekt Bernd Faskel sagt, er werde die Maschinen auf ihrem Weg von und nach Tempelhof vermissen. Und dass es für den Flughafen und sein großes Gebäude nur eine sinnvolle Zukunft geben kann, davon ist Bernd Faskel ähnlich überzeugt wie sein Hamburger Kollege Volkwin Marg. Tempelhof soll zum Luftfahrtmuseum werden.

So gern Faskel in der Stadt plant und baut: In Tempelhof, wo sich doch für entwurfsfreudige Architekten eine der größten Herausforderungen stellen könnte, hätte er guten Gewissens nichts zu tun. Da ist alles schon da, was eine Flugzeugausstellung braucht. Bis zur Mitte des Vorfeldes könnte sie reichen, sagt er. Ein Rollbahn müsste allerdings ausnahmsweise auch nach Schließung des Flughafens in Betrieb sein, damit Ausstellungs- und Museumsstücke auch starten und landen könnten. Für Firmenansiedlungen aus der Luftfahrtbranche ließe sich das Gebäude nutzen – auch für ein Ausbildungszentrum, für kulturelle Zwecke und Gastronomie blieben im Riesenbau genügend Platz.

Wohnungsbau an diesem Ort, eine internationale Bauausstellung, ein neues Hansaviertel auf der Grünen Wiese, wie es sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vorstellt, davon hält der Architekt nichts, zumal die Wohnungsbauförderung fehle und die Menschen die Innenstadt bevorzugten. Bei Berlins Überangebot an Freiflächen bestehe keine Notwendigkeit, gerade in Tempelhof zu bauen. Das Geld solle lieber in soziale Brennpunkte investiert werden, etwa die Hasenheide. Ebenso unnötig wie Häuser auf dem Tempelhofer Feld sei eine eine internationale Gartenausstellung. „Tempelhof darf nicht verschrebert werden“, sagt Faskel.

Berlin biete schon jetzt auf dem Immobilienmarkt zu viele Flächen an, wie etwa das große, brach liegende Areal an der Heidestraße in Moabit oder auch das Gelände an der Spree in Friedrichshain/Kreuzberg. Damit halse sich die Stadtplanung große Aufgaben auf, mit denen sie auf Jahre hinaus beschäftigt sei. Außerdem fehle Geld. „Berlin sollte den Mut zur Lücke, zur freien Fläche haben“, sagt der Architekt. Das Tempelhofer Feld sei für die Durchlüftung der Stadt wichtig.

Und was ist mit Budenzauber, Love Parade, Grillplätzen? Das Tempelhofer Feld als gigantische Festmeile? Das Gebäude und sein Gelände, sagt Bernd Faskel, müssten „mit Anstand“ behandelt werden. Die Anlage habe Qualitäten eines Weltkulturerbes. Dem könne ein Luftfahrtmuseum am besten Rechnung tragen. Und wie zum Dank brummen die Flugzeuge über ihn hinweg.

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