Tempelhof : Erlebniswelt für den Klimaschutz

Die Pankower SPD will den Flughafen Tempelhof nach der Schließung 2008 in ein Zentrum für Klimaschutz und erneuerbare Energien umwandeln. Dafür wirbt der SPD-Kreisverband Pankow mit einem Antrag für den Landesparteitag im November.

Ulrich Zawatka-Gerlach
Tempelhof Foto:ddp
Wie geht es weiter? Für die Nutzung des riesigen Areals vom Flughafen Tempelhof gibt es viele Ideen, aber keine Lösung. -Foto:ddp

BerlinDer umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Daniel Buchholz, findet den Vorschlag der Pankower Genossen "sehr interessant“. Berlin habe durchaus noch Bedarf, sich als Standort für neue Energien zu profilieren. "Platz genug wäre in Tempelhof.“ Unterstützt wird dieser Vorschlag auch vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Thema der Flugzeugentwicklung für Berlin

Bisher gebe es kaum verwertbare Nachnutzungsideen für das Flughafengelände, wird im Antrag des SPD-Kreisverbands kritisiert. "Dies macht den Gegnern der Schließung und ihren Unterstützern das Leben unnötig leicht.“ Das bisher fehlende Konzept zeuge von einem erheblichen Mangel an kreativer und wirtschaftlicher Fantasie. Die Entwicklung des Flugzeugs sei ein Schlüsselthema des 20. Jahrhunderts gewesen. Das 21. Jahrhundert werde von der "ökologischen Frage“ geprägt. Berlin habe immer noch eine Chance, bei diesem "Megathema“ eine wichtige Rolle in der Welt zu spielen.

Umweltpark als Touristenattraktion

Das könnte so aussehen: Auf dem 380 Hektar großen Areal wird zunächst ein großer Umweltpark als Touristenattraktion angelegt, eine "Lern- und Erlebniswelt für den Klima- und Ressourcenschutz“. Dort könnten biologisches Bauen, alternative Verkehrskonzepte, nachhaltiger Konsum, eine umweltfreundliche Energieerzeugung und Wasseraufbereitung unterhaltsam dargestellt werden. Zum Beispiel ergänzt durch die begehbare Kuppel einer Windkraftanlage oder durch ein 3-D-Kino, das die Probleme des Planeten eingängig illustriert.

"Das lässt sich auf Teilen des Flugfelds und im Gebäude präsentieren“, sagt der Ökologieexperte Klaus Mindrup, der den Vorschlag der Pankower SPD initiiert hat. In einem zweiten Schritt könnten dort Firmen, Forschungseinrichtungen und Behörden angesiedelt werden, die dem Klimaschutz verbunden seien. Dieses Konzept sei als "provozierender Denkanstoß“ gedacht, so Mindrup. Denn in der SPD sei die Diskussion über die Nachnutzung Tempelhofs bisher nicht weit vorangekommen.

So ein "Garten der erneuerbaren Energien und des Umweltschutzes“, hoffen die Sozialdemokraten, werde den Tourismusstandort Berlin aufwerten, Forschung, Wirtschaft und Arbeitsplätze nach sich ziehen und den Ruf Berlins als innovative Stadt untermauern. Finanziell gefördert werden könne das Großprojekt durch Gelder des Bundes und der EU. Vielleicht in Partnerschaft mit dem Technikmuseum, den Wirtschaftsverbänden für alternative Energien und Umweltschutzorganisationen.

Vernetzung mit bestehenden Forschungseinrichtungen und Betrieben

Der Chef des Berliner BUND, Andreas Jarfe, schlägt vor, ein solches "Umwelt-Kompetenzzentrum“ in Tempelhof mit bestehenden Forschungseinrichtungen und Betrieben an anderer Stelle, etwa in Adlershof, zu vernetzen. "Welche Formen einer modernen Energieversorgung braucht eine Millionenstadt wie Berlin?“ Das sei die Frage, die in gemeinsamer Anstrengung beantwortet werden müsse. Im Flughafengebäude könne beispielsweise ein Innovations- und Gründerzentrum, mit vielen Ingenieurbüros, für neue Energien entstehen. Autofreies Wohnen am Rand des ehemaligen Flughafengeländes würde dazu gut passen.

Der Airport Tempelhof soll nach dem Willen der rot-roten Koalition, unterstützt von den Grünen, im Oktober 2008 entwidmet und geschlossen werden. Die Initiatoren eines Volksbegehrens, das bis Februar 2008 läuft, wollen dies verhindern.   

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