Tempelhof : Letzter Aufruf für den Flug nach Tegel

Kurz bevor die Betriebserlaubnis für den innerstädtischen Flughafen endet, soll es einen besonderen Abschiedsflug vom geschichtsträchtigen Airport aus geben. Bislang liegt jedoch keine Ausnahmegenehmigung vor.

Klaus Kurpjuweit
Tempelhof
Am 30. Oktober um Mitternacht endet die Betriebserlaubnis für den Flughafen. Kurz vorher könnte noch ein Rosinenbomber starten....Foto: dpa

Endspurt in Tempelhof: Bevor auf dem einstigen Zentralflughafen am 30. Oktober zum letzten Mal ein Flugzeug abheben wird, geht es nochmals rund. Zahlreiche Abschiedsflüge sind bereits geplant. Wann wirklich das letzte Flugzeug starten wird, ist aber weiter ungewiss.

Das Nachtflugverbot beginnt in Tempelhof bereits um 22 Uhr. Als letzte Linienmaschine wird eine Dornier 328 von Cirrus Airlines um 21.50 Uhr Tempelhof mit Ziel Mannheim verlassen. Cirrus hat, wie berichtet, den letzten Flug des Tages extra verschoben, um kurz vor dem regulären Ende des Flugbetriebes als letzter Starter im Linienflugverkehr in der Chronik vermerkt zu werden. Planmäßig wäre die Abflugzeit bereits um 20 Uhr gewesen.

Als letztes Flugzeug überhaupt könnte eine Maschine mit einer ganz besonderen Beziehung zu Tempelhof abheben – ein Rosinenbomber aus der Zeit der Luftbrücke oder die Ju 52 der Lufthansa, für die Tempelhof bis zum Ende des Krieges Heimatflughafen war. Einem Start um 23.59 Uhr hat die Luftfahrtbehörde aber noch nicht zugestimmt. Sie kann innerhalb des Nachtflugverbotes eine Ausnahmegenehmigung erteilen, die beim geplanten Flug der Lufthansa-Berlin-Stiftung gleich doppelt erforderlich wäre. Die letzte Ju 52 soll nämlich in Tegel landen und dort gilt auch das Nachtflugverbot. Die Betriebserlaubnis für Tempelhof endet definitiv um Mitternacht.

Die Anlage bleibt jedoch als Flughafen ausgewiesen, bis die letzten Klagen gegen die Aufhebung der Planfeststellung entschieden sind. Den Bescheid hat der Senat bereits im Juni 2007 erlassen, er ist aber noch nicht rechtskräftig. Für Donnerstag hat das Oberverwaltungsgericht einen Erörterungstermin mit den beiden Klägern angesetzt, der nicht öffentlich ist.

Wären die Klagen erfolgreich, könnte sich ein neuer Betreiber um den dann weiter möglichen Flugbetrieb in Tempelhof bewerben. Einen Antrag der Bahn AG hatte der Senat im Mai 2007 abgelehnt. Die Bahn AG wollte Tempelhof zu einem Flughafen für Privat- und Geschäfstflieger machen – ohne Linienverkehr.

Die Stadtentwicklungsverwaltung ist überzeugt, dass ihr Bescheid, den Flughafen zu entwidmen, vom Gericht nicht mehr gekippt wird. Sie bleibt deshalb auch dabei, die Pläne zur Nachnutzung vom 1. September bis zum 6. Oktober öffentlich auszulegen, um den Flächennutzungsplan ändern zu können. Die ausstehenden Gerichtsentscheidungen – auch vor dem Verfassungsgericht – halten dieses Verfahren nicht auf.

Abschied vom Flugbetrieb wollen Privatpiloten unter anderem am 25. Oktober mit einem „Candy Bomber Memorial Flight“ von Celle nach Berlin feiern. Ebenfalls an diesem Wochenende plant Air Hamburg Abschiedsrundflüge mit dem Hochdecker Norman Islander (Infos unter 040/7070 8890). In der Lufthansa-Ju-52 gibt es unter anderem noch am 14. und 27. Oktober freie Plätze bei Rundflügen (Telefon 040/5070 1717, und der Rosinenbomber von Air Service Berlin (Telefon 5321 5321) startet weiter bis zu sechs Mal täglich zu Flügen über Berlin. Neue Heimat der Oldtimer wird Schönefeld. Klaus Kurpjuweit

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