Tempelhof-Volksentscheid : Frühstarter an den Wahlurnen

Die Ersten haben schon über die Zukunft des Flughafens Tempelhof abgestimmt. Noch bis zum 25. April können die Bereliner im Rathaus Schöneberg und Tempelhof sowie im Bürgerzentrum Lichtenrade ihre Stimme abgeben.

Laura Wieland

Seit Dienstag sind rund 2,4 Millionen wahlberechtigte Berliner aufgerufen, über die Zukunft des Flughafens Tempelhof zu entscheiden. Die ersten Abstimmungsbenachrichtigungen wurden zugestellt. Mit ihnen kann – wie bei einer Wahl – schon im Vorfeld des Volksentscheids am 27. April die Briefabstimmung beantragt werden.

Im Rathaus Schöneberg war schon am Mittwoch „guter Betrieb“, sagte Jens-Peter Eismann, Leiter des Bezirkswahlamts Tempelhof-Schöneberg. Am Mittag hatten bereits rund 80 Bürger das prachtvolle Rathausfoyer durchquert und sich, an der Büste von Friedrich Ebert vorbei, vor dem Tresen angestellt – denn der Andrang ist erstaunlich groß.

„Allein in den ersten zwei Tagen haben hier bis zu 300 Leute ihre Stimme abgegeben“, berichtete Eismann, der geduldig für jeden Einzelnen das Abstimmungsprozedere wiederholt. Er habe mit dem Ansturm gerechnet. „Hier in Tempelhof-Schöneberg sind die Emotionen besonders groß – schließlich liegt hier auch der Flughafen“, sagte Eismann. Zudem hätten noch lange nicht alle Bürger die Abstimmungsbenachrichtigungen erhalten. Er erwartet daher, dass es in den kommenden Tagen noch einige mehr werden, die es eilig haben mit der Abstimmung und in einer der drei Wahlkabinen im Rathaus ihr Kreuz machen möchten.

„Ich liebe diesen Flughafen“, sagt Friedrich Baartz, 53, der gestern zusammen mit seiner Frau und Tochter seine Stimme für Tempelhof abgab. Er habe noch zwei Tage Urlaub und nutze die Gelegenheit. „In Tempelhof ist eine tolle Atmosphäre“, sagt Baartz, der den Flughafen oft beruflich nutzt. „Für mich ist es praktisch, weil ich um die Ecke wohne.“ Er würde sich freuen, wenn fort wieder mehr Fluglinien verkehrten.

Auch Gabrielle Pfaff, 58, ist für die Aufrechterhaltung des Flughafens und stimmt gleich in der Mittagspause ab. „Ich finde, dass Berlin durchaus einen weiteren Flughafen vertragen kann“, sagt sie. Allerdings habe es sie überrascht, dass in ihrem Bekanntenkreis, wo die politische Linie eher bei den Grünen liege, viele für Tempelhof seien.

Barbara Martin, 66, ist hingegen für die Schließung des Flughafens – „obwohl ich seit 1962 in Berlin lebe“. Sie sei generell der Ansicht, dass ein Flughafen nicht so zentral in die Stadt gehöre. Außerdem verbindet Martin mit Tempelhof ihren ersten Flug. „Ich bin ein einziges Mal dort gelandet und hatte unsägliche Angst“, erinnert sie sich. „Als wir über die Häuserblocks von Tempelhof flogen, konnte man bis in die Wohnungen gucken und zusehen, wie in der Küche die Spiegeleier gebraten wurden.“ Laura Wieland

Noch bis zum 25. April kann Mo.–Fr. von 8–18 Uhr im Rathaus Schöneberg abgestimmt werden, ebenso im Rathaus Tempelhof sowie im Bürgerzentrum Lichtenrade zu den jeweiligen Öffnungszeiten. Auskünfte zum Volksentscheid und zur Briefabstimmung unter Tel. 75 60 30 40

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