Verkehr : Sicherheitsvorgaben bei S-Bahn erneut verschärft

Die Bremszylinder der Züge müssen noch schneller getauscht werden. Trotzdem sollen die Bahnen von Montag an im gesamten Netz fahren.

Klaus Kurpjuweit

Sechs Wochen nach der Einstellung des Betriebs auf vielen Strecken will die S-Bahn von Montag an wieder auf dem gesamten Netz fahren, obwohl die Sicherheitsvorschriften für die Fahrzeuge erneut verschärft werden mussten. Nach Angaben von Ralph Fischer, dem Sprecher des Eisenbahn-Bundesamtes, waren an mehreren Zügen der Baureihe 481 bereits vor dem Erreichen der noch zulässigen Laufzeit Verschleißspuren an den Bremsanlagen gefunden worden.

Diese Teile müssen, weil sie nicht vorschriftsmäßig gewartet worden sind, nach 1,25 Millionen Kilometer gewechselt werden. Jetzt wurde dieser Wert auf 1,1 Millionen Kilometer reduziert – allerdings erst zum Jahresanfang. Da die Bremszylinder bereits alle sieben Tage kontrolliert werden müssen, könne man sich diese Frist leisten, sagte Fischer. Sonst hätten etwa 50 weitere Fahrzeuge aus dem Betrieb genommen werden müssen. So aber kann die S-Bahn von Montag an von ihren 632 Viertelzügen rund 340 einsetzen; 60 mehr als bisher. Wöchentlich sollen nun weitere 60 Viertelzüge hinzukommen.

Deshalb können von Montag an Züge auch wieder nach Spandau, Wartenberg und Strausberg Nord fahren. Den Verbesserungen war nach Tagesspiegel-Informationen ein Streit hinter den Kulissen vorausgegangen. Eine Seite wollte lieber vor allem auf den nachfragestarken Linien auf den östlichen Strecken Züge mit mehr Wagen einsetzen, weil die Bahnen jetzt meist überfüllt sind. Die andere Seite wollte dagegen, politisch unterstützt von der SPD, möglichst schnell wieder das gesamte Netz befahren – mit kürzeren Zügen.

Dahinter stecken auch wirtschaftliche Interessen. Zuschüsse nach dem Verkehrsvertrag mit dem Senat erhält die S-Bahn für jede Fahrt; egal, mit wie vielen Wagen ein Zug unterwegs ist. Die Zuglänge ist im Vertrag, der zum Teil sehr detaillierte Vorgaben macht, nicht vorgeschrieben.

So fahren am Montag auch auf Strecken, auf denen die Züge weiter nur alle 20 statt wie üblich alle 10 Minuten unterwegs sind, Bahnen mit weniger Wagen als im Normalbetrieb. Auf der S 1 von Oranienburg nach Wannsee/Potsdam sind zum Beispiel die Züge in Frohnau oder Hermsdorf Richtung Zentrum bereits rappelvoll, wenn dort weitere Massen einsteigen wollen. Ein Ausweichen auf den Bus würde die Fahrtzeit drastisch verlängern. Auch nach Spandau wird es zunächst nur einen 20-Minuten-Verkehr der S-Bahn geben. Dort können die Fahrgäste aber auch auf die U-Bahn oder die weiter bis zum Hauptbahnhof verlängerten Fahrten der Regionalbahn RB 13 ausweichen.

Alle Wünsche könne man noch nicht erfüllen, sagte ein Bahnsprecher. Dass auf dem Ring bereits jetzt in der Hauptverkehrszeit die Bahnen alle fünf Minuten fahren, sei notwendig, weil es auf dem Ring zahlreiche Umsteigemöglichkeiten zur U-Bahn und den Bussen der BVG gebe.

Potsdam dagegen erreichen die S-Bahnen von Montag an wieder alle zehn Minuten. Dieses Angebot helfe den Studenten und Mitarbeitern der Universität in Potsdam mit den Standorten Griebnitzsee und Babelsberg, sagte ein Bahnsprecher. Der Ersatzverkehr mit Zügen auf den Fernbahngleisen zwischen Ostbahnhof und Potsdam wird zudem beibehalten, wie es die Uni gefordert hatte.

Verkehr nach dem regulären Fahrplan soll es Mitte Dezember geben, aber vorläufig weiter mit meist kürzeren Zügen. Wenn es keine weiteren Überraschungen bei den Kontrollen gibt.

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