Verkehr : Taxifahrer machen Kasse – auf Umwegen

Testkunden zahlten pro Tour bis zu 20 Prozent mehr als erlaubt. Bei einem bundesweiten Vergleich kam die Branche auf den vorletzten Platz. Und welche Erfahrungen haben Sie mit Taxifahrern gemacht? Diskutieren Sie mit!

Ralf Schönball
taxi
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Höflich und hilfsbereit sind sie, die Berliner Taxifahrer – dafür steuern sie Fahrgäste gerne auch mal auf langen Umwegen zum Ziel. Das haben anonyme Tester im Auftrag des Automobilclubs ADAC festgestellt. Diese wurden bei jeder fünften Strecke vom Taxifahrer kreuz und quer durch die Stadt kutschiert – und nicht auf dem vorgeschriebenen kürzesten Weg befördert. Auf einer der Teststrecken, vom Flughafen Schönefeld zum Hauptbahnhof, schlug der Umweg von sechs Kilometern mit einem Preisaufschlag von mehr als sieben Euro zu Buche – 20 Prozent des Fahrpreises. „Große Umwege“ sind offenbar besonders bei längeren Strecken üblich. Beim Test waren es zwei von vier Touren. Deshalb bekommt das Gewerbe bundesweit nur in einer Stadt noch schlechtere Noten – in Frankfurt am Main.

Beim ADAC will man trotzdem nicht den Stab über die Berliner Taxifahrer brechen: „Die Fahrzeuge sind top: gut in Schuss, sauber und aufgeräumt“, lobte der Sprecher des Autolobbyisten, Andreas Hölzel. Darin liege Berlin klar vorne im Vergleich der zehn deutschen Großstädte. Gute Noten gebe es auch für die Fahrer: „Freundlich und hilfsbereit sind sie“, so heißt es. Das reichte für Platz vier im Städtevergleich. Hätten die Fahrer nicht eigenwillige Routen gewählt, dann hätte das Berliner Gewerbe wohl ganz vorne gelegen.

Die Taxiaufsichtsbehörde bestätigt die Ergebnisse des ADAC: „Viele Berlin besucher wundern sich, dass sie am Morgen 12 Euro für die Fahrt vom Flughafen in die Stadt zahlen und am Abend 22 Euro für den Rückweg“, sagt Michael Hoffmann vom Landesamt für Bürgerdienste und Ordnungsangelegenheiten (Labo). Die gewählte Strecke sei „der häufigste Anlass für Beschwerden“. Dabei seien Taxifahrer laut Personenbeförderungsrecht zur Wahl der kürzesten Strecke verpflichtet. Wenn ein Fahrgast die Route reklamiere, dann gebe es „Anzüglichkeiten, es wird geduzt, und die Wortwahl grenzt an Beleidigung“, weiß Hoffmann aus Beschwerden. Dennoch nimmt auch er das Gewerbe in Schutz: „Die weitaus größte Mehrheit der Fahrer sind anständige Menschen“, sagt Hoffmann. Und gemessen an den täglichen Fahrten bewege sich die Zahl der Beschwerden im Promillebereich.

Der Chef der Taxi-Innung findet ebenfalls klare Worte: „Das ist Abzocke.“ Und Uwe Gawehn rät Fahrgästen, sich beim leisesten Zweifel an der Auswahl der Route bei Verbänden oder bei der Taxibehörde zu beschweren. Dass das Fahren von Umwegen fest zum Geschäft gehört, bezweifelt er: „Die meisten beschweren sich bei uns über dumme Sprüche der Fahrer“, sagt Gawehn. Die mussten sich auch die ADAC-Testfahrer anhören. Vor allem bei kurzen Fahrten vom Hotel zum Bahnhof hieß es gerne mal: „Da laufen Se mal lieber hin!“

Das findet der Chef des Taxiverbandes Berlin-Brandenburg gar nicht lustig: „Wir wollen jeden Fahrgast, ganz egal ob lange oder kurze Strecke“, sagt Detlev Freute. Die Reaktionen einzelner Fahrer erklärt er mit einem Trend in der Branche: Schwarzarbeit. So mancher Hartz- IV-Empfänger steuere ein Taxi, gebe aber nur einen Teil der Stunden bei der Arbeitsagentur an. Das treibe ehrliche Fahrer in den Ruin. Der Stundenlohn liege bei nur vier Euro.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Berliner Taxifahrern? Sagen Sie uns Ihre Meinung und schreiben Sie einen Kommentar unter den Text!

0 Kommentare

Neuester Kommentar