Verkehr : Von Baustelle zu Baustelle bei der U-Bahn

Wer die BVG für die eigene Mobilität bemüht, hat im nächsten Jahr, wenig zu lachen. Es drohen monatelange Unterbrechungen und Behinderungen auf den Linien U 1, U 2 und U3.

Klaus Kurpjuweit
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Foto: Thilo Rückeis

In diesem Jahr ist es die S-Bahn, die häufig nicht fährt, 2010 wird es dann die U-Bahn sein. Doch während die S-Bahn ihren Betrieb außerplanmäßig wegen Mängeln an den Zügen reduzieren musste, wird die U-Bahn planmäßig gestoppt – durch eine Kette von Bauarbeiten. Betroffen sind vor allem die Linien U 1 (Warschauer Straße–Uhlandstraße) und U 2 (Pankow–Ruhleben). Dabei gibt es auf der U 2 fast das ganze Jahr hindurch keinen durchgehenden Betrieb, weil bis auf wenige Ausnahmen immer irgendwo gebaut wird.

Leiden müssen erneut die Fahrgäste im Pankower Raum. Ein halbes Jahr lang werden nach den derzeitigen Plänen zwischen Pankow und Senefelderplatz keine Züge fahren; die Strecke wird von Mai bis November gesperrt. Fahrgäste müssen auf Busse ausweichen, die im Stau stecken bleiben können. Die Fahrzeit wird sich jedenfalls erheblich verlängern.

Die BVG muss auch hier die Hochbahnteile und die Rampe zum Tunnel sanieren – wie bereits in diesem Jahr den Abschnitt Pankow bis zur Schönhauser Allee, der deshalb von Ende Mai bis Mitte Oktober unterbrochen war. Zum größten Teil konnte die denkmalgeschützte Konstruktion saniert werden, über der Kreuzung der Schönhauser Allee mit der Bornholmer Straße musste die Brücke allerdings einem Neubau weichen.

Zuletzt war dieser Abschnitt 1985 monatelang gesperrt. Damals waren aus der gesamten DDR Busse nach Berlin geholt worden, um einen Ersatzverkehr anbieten zu können. Auch im nächsten Jahr wird ein Kraftakt notwendig sein, um den Ersatzverkehr zu organisieren.

Im Juni wird dann auch für etwa fünf Monate das westliche Ende der U 2 gekappt. Bis voraussichtlich November stellt die BVG den Verkehr auf dem Abschnitt Olympiastadion – Ruhleben ein. Hier muss der zum Teil abgerutschte Bahndamm saniert werden. Zudem soll der Bahnhof Ruhleben, der 1929 eröffnet worden ist, denkmalgerecht auf Vordermann gebracht werden.

Die Arbeiten am Bahnhof und am Bahndamm sind mit Kosten in Höhe von 7,4 Millionen Euro veranschlagt. Finanziert werden sollen die Arbeiten aus der Bundeskasse über Kompensationszahlungen nach dem sogenannten Entflechtungsgesetz, wonach den Ländern bis 2019 jährlich Zahlungen des Bundes zustehen, die den Wegfall der Mittel für die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse ausgleichen.

Wegen der hohen Kosten war in der BVG vorübergehend auch erwogen worden, diesen Abschnitt auf Dauer stillzulegen. Dies entscheidet aber immer als Besteller das Land. Nun bleibt die Strecke in Betrieb; im Bahnhof Ruhleben steigen immerhin pro Jahr durchschnittlich etwa 1,3 Millionen ein oder aus.

Gebremst wird die Fahrt auf der U 2 aber bereits im Februar. Für drei Monate fahren auch zwischen den Bahnhöfen Gleisdreieck und Wittenbergplatz keine Züge; Fahrgäste müssen auf diesem Abschnitt dann auf die U 1 ausweichen. Hier setzt die BVG die Sanierungsarbeiten im Bahnhof Gleisdreieck fort und baut außerdem einen Aufzug ein.

„Nur“ sieben Wochen müssen auch Fahrgäste auf der U 1 zwischen den Stationen Kottbusser Tor und Wittenbergplatz auf Busse ausweichen. Von Juli bis August will die BVG hier weiter die Hochbahn sanieren und im Bahnhof Prinzenstraße die Bahnsteigplatte erneuern. Die Strecke muss bereits ab Wittenbergplatz gesperrt werden, weil die BVG im Bahnhof Gleisdreieck schon vor Jahren die sogenannten Kehrgleise abgebaut hat. Züge können dort seither nicht mehr enden und zurückfahren.

Erhebliche Einschränkungen gibt es außerdem für die Fahrgäste auf den Bahnhöfen Breitenbachplatz der U 3 und Mohrenstraße der U 2. In beiden Stationen erneuert die BVG die Bahnsteige. Die Züge halten deshalb jeweils nur an einer Bahnsteigseite und fahren an der anderen ohne Halt vorbei. Fahrgäste, die dort aussteigen wollen, müssen vom nächsten Bahnhof aus zurückfahren – im Bahnhof Breitenbachplatz von Oktober bis Februar 2011, in der Station Mohrenstraße von November bis April 2011.

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