Vier Zentimeter fehlen : Zu dick asphaltiert: S-Bahnbrücke zu niedrig für BVG-Doppeldecker

Weil BVG und Bauamt nicht „alles bedacht haben“, passen unter einer S-Bahnbrücke in Pankow keine Doppeldeckerbusse mehr hindurch. Der Fahrbahnbelag ist frisch gegossen, doch leider wurde etwas zu dick aufgetragen.

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Achtung. Nur Gelenkbusse können noch gefahrlos unter der Brücke durchfahren.
Achtung. Nur Gelenkbusse können noch gefahrlos unter der Brücke durchfahren.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Eine Baustelle ist die Berliner Straße bereits seit eineinhalb Jahren. Und ein Ärgernis für Anwohner und Autofahrer. Nun endlich ist der Asphalt am Bahnhof Pankow frisch gegossen, es geht also endlich wieder voran. Sollte man meinen. Doch weil der Fahrbahnbelag jetzt vier Zentimeter zu dick ist, passen die Doppeldecker der BVG nicht mehr unter der Brücke hindurch.

„Über dieser Brücke liegt ein Fluch“, sagt Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Schon vor den jetzigen Umbauten seien viele Dinge schiefgelaufen: Sie sei von Anfang an zu eng gewesen. Ursprünglich hätten die Straßenbahnhaltestellen beider Richtungen unter der Brücke sein sollen, es passte aber nur eine drunter. Die Unterführung der Berliner Straße sei zudem „strunzhässlich“ und beschädige das Flair Pankows.

Was nach einem Schildbürgerstreich klingt, ist für Kirchner eine „Aneinanderkettung von Dingen, die nicht bedacht wurden“. Wer genau an was nicht gedacht hat, ist noch nicht restlos geklärt. Fest steht: Das Tiefbauamt hat die Straße erhöht, da unter ihr neue Leitungen verlaufen. Gleichzeitig hat die BVG die Oberleitung für die Straßenbahn niedriger montiert, um sie dem aktuellen Standard anzupassen. Beide Seiten scheinen nicht bedacht zu haben, dass zwischen Fahrbahn und Oberleitung dann nur noch ein Abstand von 4,20 Metern liegt – und Doppeldeckerbusse eine sehr lange Antenne haben, mit der sie eine Höhe von genau 4,24 Metern erreichen.

Da das alles nicht gerade nach einem Meisterstück der Kommunikation klingt, ist die Reaktion der Beteiligten nicht verwunderlich: Sie tun es als Lappalie ab. Es sei kein Drama, sagt ein Sprecher der BVG: „Es war zwar so nicht geplant, aber wir reagieren da flexibel.“ Die Linien, die unter der Brücke hindurch müssten, führen ohnehin allesamt mit Gelenkbussen, also ohne zweite Etage.

Problematisch könne es nur dann werden, wenn Fahrer mit leeren Doppeldeckern eine Abkürzung über die Berliner Straße nehmen wollen. „Die müssen wachsam sein“, sagt der BVG-Sprecher. Sie könnten nun an der Oberleitung unter der Brücke hängen bleiben. Das sei dann so, als ob ein Blitz einschlage. Allerdings leiteten die Busse die elektrischen Ströme wie ein Faradayscher Käfig an der Außenhülle weiter – für die Fahrgäste bestünde keine Gefahr. Trotzdem: Sollte ein Doppeldecker unter der Brücke durchfahren, bricht die Antenne ab.

Den Asphalt abschaben kommt für den Stadtrat nicht infrage. Er hat deshalb bei der BVG angefragt, ob sie nicht einfach andere Antennen an ihre Busse schrauben kann. Schließlich gebe es kleinere Modelle mit der gleichen Leistungskraft. Die BVG hat deren Einsatz abgelehnt, zu teuer würde die Umrüstung der ganzen Doppeldecker-Flotte. Die BVG hat die Unterführung vom Pankower Bahnhof aber in einen Katalog geschrieben, in dem alle zu niedrigen Brücken Berlins stehen. Und das seien gar nicht so wenige, sagt der Sprecher der BVG. Für gewöhnliche Autos übrigens soll die Pankower S-Bahn-Unterführung Ende des Jahre wieder befahrbar sein.

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