Warnstreik : BVG fährt am Samstag Notprogramm mit 100 privaten Bussen

Der Warnstreik am Samstag wird die BVG komplett lahmlegen. Nur 100 Privat-Busse werden im Auftrag der Verkehrsbetriebe unterwegs sein. Klaus Wowereit appelliert an Verdi, auf die Aktion zu verzichten.

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Stillstand mit Ansage. Verdi ruft für Sonnabend zum Warnstreik bei der BVG auf. Die Verkehrsbetriebe können nur ein Notangebot mit etwa 100 Bussen privater Unternehmen garantieren.
Stillstand mit Ansage. Verdi ruft für Sonnabend zum Warnstreik bei der BVG auf. Die Verkehrsbetriebe können nur ein Notangebot mit...Foto: dapd

BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta rechnet mit dem Schlimmsten: „Der Warnstreik am Sonnabend vom frühen Morgen bis gegen 19 Uhr wird die BVG komplett lahmlegen“, sagte Nikutta am Mittwoch. Alle U-Bahnhöfe werden dann geschlossen. Nur die rund 100 Busse von privaten Unternehmen, die im Auftrag der BVG unterwegs sind, werden weiter fahren. Im Einsatz sind sonst rund 1000 Fahrzeuge. Die Busse der Fremdfirmen sollen vorwiegend für den Verkehr zum Flughafen Tegel sowie als Ersatz für die U-Bahn für Fahrten zum Bundesligaspiel von Hertha gegen Dortmund im ausverkauften Olympiastadion bereitstehen. Ein Konzept arbeite man noch aus, sagte Nikutta. Sollte durch den Streik aber auch die Leitstelle ausfallen, gehe auch bei den Privaten nichts mehr.

Der Streik werde für die Stadt eine „erhebliche Belastung“ sein, sagte Verkehrssenator Michael Müller (SPD) am Mittwoch. Verdi solle den Streik „überdenken“. Die Arbeitsniederlegung sei „nicht angemessen“ und eine „unnötige Härte, die ich nicht nachvollziehen kann“, sagte Müller. Das „Verhandlungsangebot“ von rund 40 Millionen Euro sei „nicht ohne“. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit appellierte an die Tarifparteien, „sich zusammenzusetzen, statt den Streit auf dem Rücken der Berliner auszutragen“. Wowereit zeigte sich überzeugt, das es auch ohne einen Streik möglich sei, „einen fairen Ausgleich zu finden“.

Hier sehen Sie, wie es beim letzten Streik der BVG zuging:

Der BVG-Streik in Bildern
Von den "Schmerzen" der Fahrgäste aufgrund des Streiks war am Donnerstag morgen nicht viel zu merken, die BVG sprach von einem entspannten Streikverlauf.Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: dpa
09.06.2011 10:02Von den "Schmerzen" der Fahrgäste aufgrund des Streiks war am Donnerstag morgen nicht viel zu merken, die BVG sprach von einem...

Verdi will den Warnstreik etwa um 4 Uhr beginnen. Da es in der Nacht zu Sonnabend planmäßig einen durchgehenden Betrieb gibt, werden Nachtschwärmer bereits gegen 2 Uhr vom Ausfall betroffen sein, kündigte Nikutta an.

Die S-Bahn, die selbst seit zweieinhalb Jahren keinen Normalbetrieb anbieten kann, will mit fünf Zügen innerhalb von jeweils 20 Minuten zum Olympiastadion fahren. Dort werden am Sonnabend 75 000 Zuschauer erwartet. Am Messegelände werden für sie 1500 kostenfreie Parkplätze gestellt, zum Stadion verkehrt ein kostenloser Shuttle-Service.

Einschränkungen gibt es auch bei der Stadtbahn, weil am Ostkreuz gebaut wird. Deshalb ist der Abschnitt Lichtenberg–Ostkreuz unterbrochen. Die Arbeiten für den Umbau des Ostkreuzes ließen sich nicht verschieben, sagte ein Bahn-Sprecher. Engpässe kann es auch auf anderen Strecken geben. Am Mittwoch fielen Fahrten auf vier Linien aus, weil es zu wenig Fahrer gab.

Nikutta und Claudia Pfeiffer, die Vorsitzende des Kommunalen Arbeitgeberverbandes (KAV), der die Verhandlungen für die BVG führt, zeigten kein Verständnis für den Warnstreik. Das am Dienstag nochmals verbesserte Angebot der Arbeitgeber habe ein Volumen von 38,6 Millionen Euro, sagte Pfeiffer. Mehr gehe bei einem Unternehmen, das mit fast 800 Millionen Euro verschuldet sei und das vergangene Jahr mit einem Verlust von rund 70 Millionen Euro abgeschlossen habe, nicht, machte die BVG-Chefin klar. Der Senat werde auch kein zusätzliches Geld bereitstellen. Die Verdi-Forderungen würden nach Angaben der Arbeitgeber zu Mehrkosten in Höhe von 62 Millionen Euro führen. Um die BVG bis 2016 in die schwarzen Zahlen führen zu können, sei eine ,maßvolle Gehaltspolitik“ erforderlich.

Die Arbeitgeber bieten 2,3 Prozent mehr Entgelt ab Mai 2012, weitere 1,3 Prozent ab Juni 2013 sowie eine Erhöhung von 1,5 Prozent ab Juli 2014 und eine Einmalzahlung in Höhe von 100 Euro zum Januar 2015 an. Zusätzlich soll der Urlaubsanspruch bis 2015 auf 30 Tage vereinheitlicht werden. Dieses Angebot führt laut Verdi-Sprecher Andreas Splanemann zu einer Steigerung der Einkommen bis 2015 um rund fünf Prozent. Verdi fordert einen Ausgleich der Inflationsrate, die 2011 bei 2,3 Prozent lag, sowie einen nicht quantifizierten Zuschlag und eine kürzere Vertragslaufzeit.

Die Tarifverhandlungen werden am Montag fortgesetzt. Kommt es zu keiner Annäherung, ist mit weiteren Aktionen zu rechnen, die dann auch den Werktagsverkehr treffen können.

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