Wettbewerb : Brad Pitts Architekten sollen Tempelhof mitgestalten

Die Entscheidung im ersten von drei Ideenwettbewerben für die landschaftliche Gestaltung und Bebauung des Tempelhofer Feldes ist gefallen. In zwei Jahren sollen die ersten Baugenehmigungen für das ehemalige Airportgelände erteilt werden. Unter den Siegern des ersten Wettbewerbs ist auch ein Architekturbüro, das einen prominenten Fan in Hollywood hat.

Ralf Schönball
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Der Columbiadamm als Flaniermeile: Ein Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft Graft/Kiefer. - Simulation: Architektenbüro

Die besten Vorschläge für die Gestaltung des nördlichen Bereiches entlang des Columbiadammes legten nach Auffassung der Jury unter Vorsitz von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher drei  Arbeitsgemeinschaften aus Architekten und Landschaftsplanern  vor: Graft mit Kiefer sowie Urban Essences mit Lützow7, beide aus Berlin und Chora mit gross.max aus London/Edinburgh.

Vorrangig Wohnbauten

Die drei Siegerpaare setzten sich gegen  80 Wettbewerber durch. Sie sehen alle vorrangig Wohnungsbauten mit der üblichen innerstädtischen Dichte vor – also keine Reihen- oder Doppelhäuser. Die Entscheidung der Jury fiel einstimmig. „Froh“ sei sie darüber, so  Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, denn  die benachbarten Bezirke  Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg  waren durch ihre Baustadträte mit in der Jury vertreten. Das Einvernehmen dürfte die Realisierung der Wohnhäuser  erleichtern und beschleunigen. Lang hin ist es ohnehin nicht mehr bis zum ersten Spatenstich. Schon  in zwei Jahren sollen erste Genehmigungen für den Bau von Wohnquartieren erteilt werden. Als Grundlage dient der „Masterplan“, der durch diesen Wettbewerb weiterentwickelt wurde.

Die Pläne der Arbeitsgemeinschaft von Urban Essences und Lützow7 hatte in der Jury zu heftigen Debatten geführt. Nicht so sehr, weil die  Architekten  eine sehr dichte Bebauung planen, sondern weil sie  auch auf dem Friedhof und der Hasenheide Häuser errichten. „Das ist unseres Erachtens nicht möglich, man kann einen Friedhof nicht einfach schließen“, sagt Lüscher. Einen Preis bekam das Team trotzdem: Weil es den verkehrsreichen Columbiadamm in eine städtische Straße umwandelt. Weil es die Bauten am Rande des Feldes etwas angehoben als „Stadtterrasse“ anlegt. Und weil es Wasserbecken  durch die neuen Quartiere zieht – wegen des „Mikroklimas“.

Ideen für das Tempelhofer Feld
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1 von 6Simulation: Architektenbüro
29.07.2009 08:29Visionen für das Tempelhofer Feld: Das Architektenbüro Graft schlägt zusammen mit Kiefer vor, entlang dem Columbiadamm - also am...


Graft/Kiefer wollen voluminöse Wohnblocks bauen



Prämiert wurde auch das Architektenbüro, das vor allem durch seine Partnerschaft mit einer ambitionierter Hollywood-Größe bekannt wurde -  mit Schauspieler Brad Pitt: Das Architektenbüro Graft  schlägt zusammen mit Kiefer vor, entlang dem Columbiadamm – also am nördlichen Rand des Areals – voluminöse Berliner Blöcke zu errichten. Die Häuserzeile reicht vom Flughafengebäude bis nach Neukölln. Die Verbindung des Tempelhofer Feldes mit den Kreuzberger Stadtquartieren im Norden schaffen Graft/Kiefer durch eine tropfenförmige Bebauung rund um die Columbiahalle und der umliegenden Brache. Diese verjüngt sich  nach Norden hin deutlich   – so entsteht  eine teils sehr dünne bebaute Schneise, die Friedhof und Hasenheide verschont, das Quartier aber trotzdem mit dem Kreuzberger Südstern verknüpft.

Wörtlich nimmt der dritte Siegerentwurf der  Londoner Architekten Chora mit den Landschaftsgestaltern gross.max den  „Ideen“-Wettbewerb: Anders als die Konkurrenz druckten sie keine Verkehrsachsen und Wohnblöcke aufs Planungspapier, sondern zeichnen das Tempelhofer Feld  als rot leuchtenden Ring auf ein weißes Blatt und spielen mit Ideen für die wichtigste Herausforderung des zeitgenössischen Städtebaus: der Ver(sch)wendung von Rohstoffen. Rot ist der Ring, weil der Rand des Feldes „Experimentierfeld“ zur Energiegewinnung werden soll. Auch die Internationale Bauausstellung (Iba) soll eine „Klima-Iba“ werden. Alles dreht sich um die Frage: Durch wen, welche Techniken und welche Mittel kann das Gebiet Energie produzieren – wenn dessen Bebauung zugleich auch  einen enormen Konsum von Energien voraussetzt.

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