Zugausfälle und Staus : Verkehrschaos rund um Berlin zum Ferienauftakt

Zu Beginn der großen Ferien mussten sich viele Berliner erst mal in Geduld üben - vor allem Bahnreisende. Ein ICE erfasste bei Rathenow zwei Graffiti-Sprayer.

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Berlin - Am ersten großen Reisetag der Schulferien ist der Bahnverkehr von und nach Berlin teilweise zusammengebrochen. Auf den vier Hauptstrecken nach Hamburg, Hannover, Leipzig und Frankfurt (Oder) fuhr am Freitagvormittag über Stunden kein Zug mehr. Gleich mehrere schwere Zwischenfälle fielen zeitlich zusammen – die Bahn hatte keine Schuld. Am Nachmittag riss ein Zug die Oberleitung der Fernstrecke Teltow–Südkreuz herunter, auch diese Störung führte zu zahlreichen Verspätungen. Am Abend behinderten dann ein Böschungsbrand in Köpenick und ein Kabeldiebstahl in Schönefeld den Zugverkehr – ausgerechnet an der Strecke, über die die Züge wegen des Oberleitungsschadens umgeleitet werden sollten. Hinzu kamen diverse defekte Loks. Bei der Bahn war von einem „schwarzen Freitag“ die Rede.

Auf zwei Strecken hatten sich Selbstmörder am Morgen vor ICE-Züge geworfen, und zwar gegen 10 Uhr in Bergedorf bei Hamburg und bei Teltow auf der Strecke nach Leipzig gegen 8.30 Uhr. Bereits um 7.10 Uhr hatte der ICE von Berlin nach Interlaken auf der Havelbrücke bei Rathenow mehrere Graffiti-Sprayer erfasst, einen dabei getötet, einen schwer verletzt. Außerdem war die Strecke nach Frankfurt (Oder) wegen der Entschärfung einer Bombe in Fürstenwalde von 11 bis 13.35 Uhr unterbrochen.

Auch auf den Autobahnen von und nach Berlin gab es nach mehreren schweren Unfällen lange Staus. Der ADAC hatte vor dem Wochenende als Reisetag gewarnt, da in Berlin, Brandenburg und Hamburg die Ferien in dieser Woche begonnen haben. So waren die A 11 Höhe Joachimsthal und die A 13 Richtung Dresden gesperrt. Die A 115 war nach einem tödlichen Unfall mittags ebenfalls zeitweise blockiert. Der Flugverkehr lief störungsfrei, sagte ein Flughafensprecher.

Am Hauptbahnhof in Berlin war das Chaos offensichtlich. Fast alle abfahrenden und alle ankommenden Züge hatten Verspätung, im Fernverkehr von bis zu drei Stunden. Viele Züge fielen ganz aus. Vor den Informationsschaltern bildeten sich lange Schlangen; Wartezeiten von 30 Minuten und mehr waren die Regel. Obwohl ein Bahnsprecher am Vormittag angekündigt hatte, dass alle vorhandenen Mitarbeiter auf den Bahnhöfen aushelfen sollten, blieben im Reisezentrum auf der unteren Ebene des Hauptbahnhofs zeitweise drei von acht Schaltern unbesetzt.

Die gravierendsten Auswirkungen hatte der Unfall bei Rathenow. Die Hochgeschwindigkeitstrasse nach Hannover, über die ein Großteil des Fernverkehrs in Richtung Westen abgewickelt wird, war erst kurz vor 12 Uhr wieder freigegeben worden – nach fünf Stunden. Die Untersuchung des Unfalls habe so lange gedauert, hieß es. Der jüngste Unfallbeteiligte, ein Zwölfjähriger, erlitt einen schweren Schock, als er sah, wie seine beiden 15-jährigen Freunde von einem Zug erfasst wurden. Die 332 Fahrgäste im ICE konnten nach längerem Warten mit Bussen weiterfahren.

Auch nach dem Suizid bei Teltow war die Strecke erst nach viereinhalb Stunden freigegeben worden. Üblich sind bei Suiziden zwei bis drei Stunden. Der 37-Jährige war wegen Selbstmordgefahr bereits von der Polizei gesucht worden. Die 110 Fahrgäste mussten zwei Stunden im ICE ausharren, bis sie die Fahrt fortsetzen konnten. Die ICE-Strecke nach Hamburg war von 10 bis 12.15 Uhr gesperrt. Bereits in der Nacht hatte es in Berlin bei einem ICE Verspätungen gegeben, nachdem ein betrunkener 18-Jähriger auf einen Güterwagen geklettert war. Er erlitt einen schweren Stromschlag.

Neue Probleme gibt es auch bei der Berliner S-Bahn: Aufgrund der sommerlichen Temperaturen, die offensichtlich der Elektronik zu schaffen machen, kann die Bahn zurzeit nicht die geplante Zahl von Wagen einsetzen.

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