Zugverkehr : Bahn baut für 250 Millionen Euro

UPDATE In diesem Jahr müssen sich die Fahrgäste in Berlin auf Einschränkungen im Zugverkehr einstellen – die Bahn plant umfangreiche Bauarbeiten. Allein im S-Bahn-Netz sollen rund 100 Kilometer Schiene ausgetauscht werden.

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Für den Ausbau ihres Netzes und die Modernisierung von Bahnhöfen will die Bahn in diesem Jahr rund 250 Millionen Euro allein in Berlin ausgeben. Das Geld wird gemeinsam vom Bund, dem Land und der Bahn aufgebracht. Enthalten sind auch rund 34 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm des Bundes. Die Schattenseite dabei: Weil kräftig gebaut wird, müssen Strecken vorübergehend gesperrt werden.

So fahren auf der nachfragestarken S-Bahn-Linie S 3 (Erkner–Westkreuz) ab 7. Mai bis zum 7. Juni zwischen Karlshorst und Rummelsburg keine Züge. Als Ersatz bietet die Bahn einen Busverkehr an, der auch zum S-Bahnhof Nöldnerplatz fährt, wo es Anschluss zu den regulär fahrenden Zügen der Linien S5, S 7 und S 75 gibt. Unter Betrieb zu bauen und dabei eingleisig zu fahren, sei wegen des engen Abstands der Gleise nicht möglich, sagte am Donnerstag der Berliner Bahnchef Ingulf Leuschel.

Dagegen ist es der Bahn gelungen, auf dem Abschnitt Grunewald–Nikolassee die zunächst vorgesehene wochenlange Vollsperrung zu vermeiden. Durch den Einbau zusätzlicher Weichen, die eingleisigen Betrieb ermöglichen, können insgesamt acht Brückenanlagen bei der Fern- und S-Bahn erneuert werden, ohne den Verkehr zu unterbrechen.

Einschränkungen im Fern- und Regionalverkehr gibt es jedoch an diesem und am folgenden Wochenende auf der Stadtbahn, weil in Charlottenburg Weichen erneuert werden. Sperrungen vor allem an Wochenenden wird es bis zum Jahresende auch auf dem S-Bahn-Ring im Bereich Ostkreuz geben. Auf den Strecken von Schöneweide nach Grünau und Schönefeld wird an Wochenenden ebenfalls der Verkehr häufig eingestellt. Bis zur Eröffnung des neuen Flughafens Ende Oktober 2011 sollen in diesem Bereich die Arbeiten bei der S-Bahn abgeschlossen sein, sagte Leuschel.

Schienen auf einer Länge von 100 Kilometer werden allein in diesem Jahr erneuert

Voll gesperrt ist noch bis 16. April auch die S-Bahn zwischen Schönholz und Hennigsdorf. Hier war der Betrieb zwischen Schönholz und Heiligensee Anfang 1984 eingestellt worden. Vor der Wiederaufnahme der Fahrten zwischen Schönholz und Tegel 1995 hatte man die alten Anlagen nur instandgesetzt.

Insgesamt erneuert die Bahn allein bei der S-Bahn in diesem Jahr Schienen auf einer Länge von rund 100 Kilometern. Der Schwerpunkt liegt auf Strecken im Osten, weil in den vergangenen Jahren vor allem die Anlagen im Westen der Stadt an der Reihe waren. Schienen müssen durchschnittlich nach rund 20 Jahren gewechselt werden.

Bei der Modernisierung der 133 Berliner Bahnhöfe legt die Bahn den Schwerpunkt auf den Einbau von Aufzügen oder Fahrtreppen, die es neu in zwölf Stationen geben wird. Zudem werden auf den größeren Bahnhöfen moderne LCD-Anzeigen zur Zuginformation installiert.

Bis 2016 werden noch die Arbeiten am Ostkreuz dauern, wo 2014 die neue Verbindungskurve von der Stadtbahn zum Ring in Betrieb gehen soll. Erst dann sind auch wieder umsteigefreie Fahrten mit der S-Bahn aus dem Zentrum zum Flughafen in Schönefeld möglich.

Auch die Zulaufstrecken werden weiter modernisiert

Wann Regionalbahnen von Osten her in den Flughafenbahnhof fahren können, steht dagegen weiter nicht fest. Auf einen Termin für das Ende der Arbeiten, die erst im Februar nach einem jahrelangen Genehmigungsprozedere begonnen haben, will sich die Bahn noch nicht festlegen. „Zeitnah“ zur Inbetriebnahme des Flughafens sollen auch Züge über die Oststrecke zum Bahnhof unter dem Terminal fahren, heißt es lediglich. Von Westen aus wird der Flughafen pünktlich mit Zügen zu erreichen sein.

Parallel zum Ausbau in Berlin setzt die Bahn auch die Modernisierungsarbeiten an den Zulaufstrecken fort. 2011 soll die Verbindung nach Cottbus fertig sein, wozu von Mai an für rund ein Jahr der Abschnitt zwischen Königs Wusterhausen und Lübbenau gesperrt wird. 2013 will die Bahn auch die Arbeiten an der Strecke nach Rostock abschließen; Richtung Stralsund beginnt in diesem Jahr der Brückenneubau über die Peene in Anklam. Länger dauern wird die Sanierung der Strecke vom Berliner Außenring nach Dresden, wo bisher nur die Hälfe der Arbeiten finanziert ist. Für den Ausbau innerhalb Berlins fehlt noch immer der Genehmigungsbeschluss.

Völlig ungewiss ist auch, ob eines Tages die Insel Usedom von Berlin aus schneller mit dem Zug zu erreichen sein wird. Dazu müsste ein Teil der Strecke mit der Querung des Peenestroms bei Karnin auf Usedom wieder aufgebaut werden. Die Brücke dort war 1945 gesprengt worden. Heute soll in Berlin ein Bündnis für den Wiederaufbau gegründet werden, das auch vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) unterstützt wird.

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