Zwischenfall : Schönefeld: Flugunfall knapp verhindert

Ein Bauwagen stoppte kurz vor einem startendem Jet: Bei den Bauarbeiten für den neuen Großflughafen BBI in Schönefeld ist es zu einem Fast-Zusammenstoß zwischen einem startenden Flugzeug und einem Pkw gekommen.

Von Rainer W. DuringWie erst jetzt bekannt wurde, war der von einem Bauarbeiter gesteuerte Wagen mit stark überhöhter Geschwindigkeit auf die Startbahn zugerast und hatte erst in letzter Sekunde gestoppt. Nach dem Vorfall wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Dem jetzt veröffentlichten Bericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) zufolge ereignete sich der Zwischenfall bereits am 31. Juli um 11:29 Uhr. Eine Sprecherin der Air Berlin bestätigte Informationen des Tagesspiegels, wonach es sich um eine Maschine ihrer Gesellschaft handelte.

Die Boeing 737-800 mit 175 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern an Bord startete von der 3000 Meter langen Südbahn des Flughafens Schönefeld zu einem Flug nach Nürnberg. Dabei bemerkten die Piloten plötzlich, wie ein Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von rund 100 Stundenkilometern auf die Startbahn zuraste. Die Boeing war mit einer Geschwindigkeit von rund 230 Stundenkilometern bereits zu schnell, um den Start noch risikolos abbrechen zu können. Deshalb beschlossen die Piloten, trotzdem abzuheben. Der Pkw-Fahrer bemerkte den heranrasenden Jet offenbar erst im letzten Moment und stoppte den Wagen wenige Sekunden vor dem Erreichen der Startbahn in rund 50 Metern Entfernung.

"Beinahe-Unfall" Flugbetrieb gesperrt

Von der BFU wurde der von den Piloten gemeldete Zwischenfall als „Beinahe-Unfall“ und „schwere Störung“ des Luftverkehrs eingestuft. Am Morgen des Vorfalls war festgelegt worden, dass die Südbahn ab 11 Uhr wieder dem Flugbetrieb zur Verfügung steht. Bis zu diesem Zeitpunkt hätten anhand einer Checkliste alle Arbeiter und Baufahrzeuge den Pistenbereich räumen müssen, so Flughafensprecher Ralf Kunkel. Im Flughafenbereich dürfen von den Baufirmen nur Mitarbeiter eingesetzt werden, die eine Sicherheitsprüfung bestanden haben und die entsprechend eingewiesen wurden.

Während des Flugbetriebes galt damals ein Mindestabstand von 150 Metern zur Startbahn. Der Sicherheitsausweis des Fahrers ist sofort eingezogen worden, er darf nur noch außerhalb des Flughafens arbeiten, sagte Kunkel. Was den Mann bewog, nach Beginn des Flugbetriebs auf die Startbahn zuzurasen, konnte nicht geklärt werden. Er verweigerte dazu jede Aussage. Als Konsequenz wurden die Bauarbeiter erneut belehrt, der Sicherheitsabstand auf 180 Meter erweitert und die Zufahrt zur Bahn mit einer Schranke samt Posten versehen. Da der Wagen 50 Meter vor der Piste stoppte, hat aus Sicht des Flughafens „zu keinem Zeitpunkt eine reale Gefährdung des Flugzeugs“ bestanden, sagte Kunkel. Die bisherige Schönefelder Südbahn ist in den vergangenen Monaten immer wieder zeitweilig für Bauarbeiten gesperrt worden.

Weniger Fluglandebahnen ab Dezember

Im Dezember wird auch die Nordbahn geschlossen, um dem Bau der neuen Autobahn zu weichen. Weil dann bis 2011 nur eine Start- und Landebahn zur Verfügung steht, darf es zu keinen weiteren Beeinträchtigungen des Flugbetriebs mehr kommen. Die eigentliche BBI-Baustelle ist vom bisherigen Flughafen Schönefeld durch einen Zaun getrennt. Für beide Bereiche gelten unterschiedliche Betriebsausweise. Beim künftigen Großflughafen wird die bisherige Süd- zur Nordbahn, die neue Südbahn wird etwa zwischen Waltersdorf und Glasow gebaut.

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