Verkehrs-Konflikte : Freie Fahrt für alle Bürger

Konflikte zwischen Radlern und anderen Verkehrsteilnehmern sind alltäglich auf Berlins Straßen. Mehr Geld und die Beachtung von Verkehrsregeln könnten das ändern, sagen die Beteiligten.

Jörn Hasselmann
Radler
Wem gehört die Straße? Radfahrer und Bus teilen sich auf dem Ku'damm eine Spur. -Foto: Thilo Rückeis

Schuld haben immer die anderen – wenn es um die Konflikte zwischen Autofahrern, Radlern und Fußgängern auf Berlins Straßen geht, dann wird die Diskussion schnell grundsätzlich. Dabei steht eines fest: Alle müssen miteinander auskommen. Darüber, wie man das erreicht, gehen die Meinungen allerdings auseinander.

Der Fahrradbeauftragte des Senats und ADFC-Vorsitzende Benno Koch hat wesentlich mehr Geld für den Fahrradverkehr gefordert. Nötig sei ein Investitionsprogramm, um Berliner Kreuzungen umzugestalten. Denn auf Kreuzungen gibt es nach Ansicht Kochs die meisten Konflikte zwischen Rädern und Autos. Beispielhaft sei die Neumarkierung an der Holzmarktstraße in Friedrichshain. Auf dieser stark befahrenen Hauptstraße haben Radler in den Kreuzungsbereichen eine Geradeausspur in Mittellage – links von der Rechtsabbiegespur für Autos. So würden Unfälle im „toten Winkel“ endgültig vermieden, sagte Koch.

Wie berichtet, gibt Berlin pro Einwohner und Jahr zwei Euro für den Radverkehr aus. ADFC-Chef Koch erinnerte daran, dass auch das Land Berlin in der vor drei Jahren veröffentlichten Radverkehrsstrategie eine Steigerung auf fünf Euro pro Kopf und Jahr vorsieht. „Das wären 17 Millionen pro Jahr“, sagte Koch.

Um Konflikte mit Fußgängern zu vermeiden und die Unfallgefahr für Radfahrer zu verringern, sollte die Benutzungspflicht für Radwege vollständig gekippt werden, fordert Koch. Derzeit sind noch 25 Prozent der Radwege benutzungspflichtig, also ausgeschildert mit dem blauen runden „Fahrrad“-Verkehrsschild. Die anderen 75 Prozent sind seit der Änderung der Straßenverkehrsordnung im Jahr 1998 freigegeben, Radler haben die Wahl, ob sie die meist zu schmalen und holperigen Radwege oder die Fahrbahn benutzen. Konflikte gibt es oft, wenn Busspuren vorhanden sind.

Bernd Dörendahl, Vorsitzender der Taxi-Innung, möchte Radler nicht auf der Busspur sehen: „Das bremst uns und die Busse aus.“ Auch die BVG ist gegen eine völlige Freigabe der Busspuren für Radler. Wie berichtet, gibt es zum Beispiel am Potsdamer Platz einen benutzungspflichtigen Radweg. Dort jedoch hemmen die vielen Touristen die schnelle Fahrt, Radler weichen auf die Busspur aus. Dort werden sie von Busfahrern teilweise stark bedrängt. Die BVG hat auf massive Beschwerden reagiert. So klärte eine „Fahrpersonalinformation“ über das „Verhalten gegenüber Radfahrern“ auf. BVG-Sprecher Klaus Wazlak forderte separate Radspuren neben den Busspuren, wenn der Radverkehr weiter zunimmt. Diese Zusatzspur ginge jedoch zu Lasten der Autos. Wie berichtet, gab es von 2004 bis 2006 ein Plus im Radverkehr von 18 Prozent. „Noch mehr Radler wären ein signifikantes Hindernis für uns“, sagte Wazlak.

Um Konflikte zu vermeiden, baut Berlin derzeit ein Radroutennetz durch Seitenstraßen, Parks und an Ufern. Zudem werden seit Jahren Fahrradspuren auf der Fahrbahn markiert. Diese sind nach Polizeiangaben deutlich sicherer als konventionelle Radwege. Mit diesen Radspuren entfallen die beiden Hauptunfallursachen von Radfahrern: „Benutzung der falschen Fahrbahn“ und „Fehler beim Einfahren in den Fließverkehr“.

Die Belziger Straße in Schöneberg soll – als Teil der ersten in Berlin ausgeschilderten Radroute – nun asphaltiert werden. „Das habe ich vom Bezirk schriftlich“, versicherte Heribert Guggenthaler, Chefplaner der Stadtentwicklungsverwaltung. Dies war jahrelang, wie mehrfach berichtet, von einem CDU-Baustadtrat mit Unterstützung der Grünen zum Ärger der Verkehrsverwaltung und vieler Radfahrer blockiert worden. Argument: Das Kopfsteinpflaster ist historisch.

Auch an anderer prominenter Stelle – im Mauerpark in Prenzlauer Berg – verhindert angeblicher Denkmalschutz die Asphaltierung der Kopfstein-Pflasterung. Dort blockiere vor allem der PDS-Baustadtrat die Asphaltierung, hieß es in der Verkehrsverwaltung. Heute wollen ADFC und Tourismusverbände für den Usedomfernradweg werben, auch er führt durch den Mauerpark.

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