Berlin : Verkehrsberuhigung

In Schöneberg sollen Prostituierte von der Straße

Binnen zwei Wochen will das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg laut Baustadtrat Bernd Krömer (CDU) über das beantragte Großbordell im ehemaligen Wegert-Haus an der Potsdamer Straße entscheiden. Noch wird die Rechtslage geprüft. Denn wie berichtet steht dem politischen Willen zur Ablehnung die grundsätzliche Zulässigkeit des Projektes entgegen. Um die Prostitution im Kiez einzudämmen, wird indessen auch an Straßensperrungen und Sperrzonen gedacht.

Am Dienstag tagte erstmals der von Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD) einberufene runde Tisch. Dort wurde unter anderem erwogen, Teile der Frobenstraße für den Autoverkehr zu sperren. Auch über die Einrichtung eines auf die Tageszeit beschränkten Sperrbezirks wird nachgedacht.

Offiziell ist von diesen Plänen beim zuständigen Innensenator noch nichts bekannt, sagte dessen Sprecherin Nicola Rothermel am Mittwoch. Bisher seien Sperrgebiete in Berlin aus politischen Gründen abgelehnt worden, damit das Gewerbe nicht in die Illegalität gedrängt wird. Grundsätzlich sei der Erlass einer entsprechenden Rechtsvorschrift durch die Senatsverwaltung möglich. Da Prostitution nicht mehr als sittenwidrig gilt, könne das nur mit dem Jugendschutz begründet werden. Im betroffenen Gebiet liegen mehrere Schulen und Kitas.

„Wir brauchen ein Paket von Maßnahmen“, sagte Michael Klinnert vom Quartiersmanagement Tiergarten-Süd. Mit einer Sperrung der Frobenstraße allein sei es nicht getan, weil sich die Szene dann nur verlagert. Klinnert befürchtet dann zusätzliche Probleme in anderen Straßen, „wo die Claims schon abgesteckt sind“.

Fuhren Freier und Prostituierte früher oft ins verwaiste Diplomatenviertel, schrecken sie dort heute die Sicherheitskräfte an den neuen Botschaften ab. So kommt man oft gleich auf Parkplätzen und selbst auf Spielplätzen zur Sache, sagte Klinnert. Deshalb wird auch über die Aufstellung garagenartiger „Verrichtungsboxen“ wie in Köln diskutiert. Wo diese stehen könnten, ist aber unklar. Bewährt hat sich der vom Quartiermanagement gemeinsam mit der Selbsthilfeorganisation Hydra gestartete Einsatz von sprachkundigen Streetworkerinnen im Kiez. Sie klären die zunehmend aus dem ehemaligen Ostblock stammenden Prostituierten auch über die Probleme der Anwohner auf. Inzwischen, so hat Klinnert beobachtet, gehen die Frauen nicht mehr so aggressiv auf Freiersuche. du-

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