Verkehrsbetriebe in Berlin : BVG ohne Bus-Chef: Martin Koller geht

Erneut räumt eine Führungskraft bei der BVG ihren Platz. Nach Finanzvorstand Henrik Falk geht jetzt auch Bus-Chef Koller, der seit 2010 so einiges umgekrempelt hatte.

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Martin Koller war von 2010 bis 2016 Leiter des Bereichs Omnibusse der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG).
Martin Koller war von 2010 bis 2016 Leiter des Bereichs Omnibusse der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG).Foto: dpa

In der Führungsetage der BVG gibt es jetzt viel Platz: Finanzvorstand Henrik Falk hat das Unternehmen, wie schon vor Monaten angekündigt, zum Jahresanfang verlassen, nun haben sich – überraschend – auch die BVG und der Bus-Chef Martin Koller getrennt. Der Bereich wird bereits von Thorsten Marek, bisher Sachgebietsleiter Fahrbetrieb bei der Straßenbahn, interimsmäßig geleitet. Falk ist zur Hamburger Hochbahn gewechselt, wo er im Februar den bisherigen Chef Günter Elste ablösen wird. Zu den Gründen der Trennung von Koller machte die BVG keine Angaben. Sprecherin Petra Reetz sagte lediglich, man habe sich „im gegenseitigen Einvernehmen“ getrennt. Koller war zu keiner Stellungnahme zu erreichen.

Seinen Vorgänger Johannes Müller hatte die BVG geschasst. Ihm hatte sie offen Managementfehler vorgeworfen. Müller hatte sich gegen die Kündigung erfolgreich gerichtlich gewehrt und eine Abfindung erstritten. Ihm waren Massenausfälle von Bussen sowie eine hohe Zahl von Fahrzeugbränden zum Verhängnis geworden.

Im vergangenen Jahr waren 93,4 Prozent der Busfahrten „verlässlich“

Koller hatte die Organisation in den Werkstätten umgekrempelt und auch wieder mehr Mitarbeiter eingestellt. Im vergangenen Jahr waren 93,4 Prozent der Busfahrten „verlässlich“. Das heißt, sie fuhren entweder pünktlich oder nur mit einer geringen Verspätung. Allerdings soll es jetzt wieder eine höhere Ausfallquote geben.

Koller, ein Bauingenieur, war von der heutigen BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta kurz nach ihrem Amtsantritt 2010 geholt worden. Vorgänger Müller war noch von Nikuttas Vorgänger Andreas Sturmowski gefeuert worden. Koller habe eine Strategie für die Zukunft des Busverkehr gefehlt, heißt es intern bei der BVG. Das Unternehmen will in den nächsten Monaten eine Neubestellung für Doppeldecker auf den Weg bringen. Mehrere unterschiedliche Typen wurden und werden noch getestet.

Fahrer sind unzufrieden mit zuletzt neu angeschafften Bussen

Ob es beim Auswerten verschiedene Auffassungen gab, ist unklar. Anders als manchmal behauptet sei das Verhältnis zwischen Nikutta und Koller gut gewesen, sagen Insider. Koller habe es aber schwer gehabt, einen Draht zur Personalvertretung des Busbereichs zu finden, die als „nicht einfach“ im Umgang gilt. Organisationsänderungen führten häufig zu langen Auseinandersetzungen. Unzufrieden sind Fahrer zum Teil auch mit zuletzt neu angeschafften Bussen.

Das Fiasko mit den Elektrobussen, die derzeit schon wieder nicht fahren, kann man Koller dagegen nicht ankreiden. Deren geplanter Einsatz auf der Linie 204 zwischen den Bahnhöfen Südkreuz und Zoo ist ein Forschungsprojekt, das vom Bundesverkehrsministerium mit 4,1 Millionen Euro gefördert wird. Zuständig für die Wartung der vier Busse sind die Hersteller. Kollers Posten wird nun ausgeschrieben.

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