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Verkehrschaos am Ostbahnhof : Plötzlich stand die Lok in Flammen

Wegen einer brennenden E-Lok ist der Ostbahnhof am Dienstagnachmittag komplett geräumt worden. Die Lok eines Regionalexpresses hatte Feuer gefangen, das auf einen Waggon übergriff. Verletzt wurde niemand.

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Die Ursache des Feuers ist derzeit noch ungeklärt. Es brach offenbar schon vor der Einfahrt in den Bahnhof aus.Alle Bilder anzeigen
Foto: dapd
26.07.2011 17:54Die Ursache des Feuers ist derzeit noch ungeklärt. Es brach offenbar schon vor der Einfahrt in den Bahnhof aus.

Der Regionalexpress RE 1 auf dem Weg nach Brandenburg (Havel) war voll wie üblich, als am Dienstag um 15.34 Uhr beim Halt im Ostbahnhof plötzlich meterhohe Flammen aus der E-Lok schlugen. Daraufhin wurde der Zug evakuiert und der Gleisbereich komplett geräumt. Mitten im Berufsverkehr wurden sowohl Fern- und Regional- als auch der S-Bahn-Verkehr für fast zwei Stunden gestoppt. Tausende Pendler und Reisende waren betroffen. Verletzt wurde niemand. Auch der Lokführer kam mit dem Schrecken davon – er saß im Steuerwagen an der Spitze des Zugs; die brennende Lok hing am Ende.

Augenzeugen berichteten, dass die Lok bereits qualmend in den Bahnhof gefahren sei. Die Flammen griffen auch auf den letzten der fünf Doppelstockwagen über. Laut Polizei wurde der Rauch auf Kamerabildern in der Leitstelle der Bundespolizei entdeckt. Es sei aber möglich, dass der Zug schon während der Fahrt Feuer gefangen hat. Als Ursache vermutet die Feuerwehr einen technischen Defekt. „Wir hatten Glück, dass es im Bahnhof passiert ist“, sagte ein Feuerwehrsprecher. So sei es kein Problem gewesen, die Menschen schnell in Sicherheit zu bringen. Der Zug hatte Verspätung; eigentlich hätte er um 15.20 Uhr den Bahnhof von Gleis 7 verlassen sollen.

Reisende, die zu den Gleisen wollten, wurden an allen Zugängen von Polizei und Sicherheitspersonal aufgehalten. Bahnmitarbeiter verwiesen sie auf die Busse der BVG. Viele Betroffene nahmen die Sperrung gelassen. Manche holten sich im Bahnhof etwas zu Essen, denn Geschäfte und Imbisse durften geöffnet bleiben. „Warten bin ich von der Bahn doch gewohnt“, sagte Ramona Kolloschke. Für den Heimweg nach Eisenhüttenstadt musste sie sich eine Alternative suchen. Anatolij Bauer musste mit dem Bus weiter zum Alexanderplatz, um nach Spandau zu kommen. „So was kann passieren, das ärgert mich nicht. Ich wurde ja gut informiert“, sagte der 29-Jährige.

Kurz nach Entdeckung des Feuers wurden um 15.40 Uhr sämtliche Gleise geräumt, eine Minute später ging der Alarm bei der Feuerwehr ein. Diese rückte mit sieben Staffeln aus, etwa 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz, gelöscht wurde vom gegenüberliegenden Gleis 8. Um 16.40 Uhr waren die letzten Flammen an dem Zug gelöscht. Danach wurde kontrolliert, ob Motoröle ausgelaufen sind.

Das Hallendach ist nach Polizeiangaben unbeschädigt, jedoch verrußt. Die Oberleitung über der Lokomotive ist nach Auskunft eines Bahnsprechers durchgebrannt und musste in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch repariert werden. In der vergangenen Nacht seinen auch alle weiteren Schäden beseitigt worden und die Strecke nun wieder befahrbar.

Die S-Bahn fuhr am Dienstag bis 17.20 Uhr nicht zwischen Alexanderplatz und Warschauer Straße. Fahrgäste wurden an den beiden Stationen in die U-Bahnen geschickt. Noch bis kurz vor 18 Uhr fuhren die S-Bahnen in Richtung Ostkreuz ohne Halt durch den Ostbahnhof. Der Fern- und Regionalverkehr wurde unterbrochen und umgeleitet: Die Züge des RE 1 aus Frankfurt endeten schon in Erkner, aus Richtung Westen in Friedrichstraße. Die Züge des Fernverkehrs, die planmäßig im Ostbahnhof enden, fuhren nur bis Hauptbahnhof. Andere Linien wurden über Lichtenberg umgeleitet. Der Fern- und Regionalverkehr sowie der Betrieb der Berliner S-Bahn ist am Mittwochmorgen wieder planmäßig angelaufen.

Die Lok wurde im Laufe der Nacht abgeschleppt. Nach Auskunft eines Bahnsprechers war die Lok bereits rund 20 Jahren im Einsatz. Ein Brand ähnlichen Ausmaßes sei ihm bei diesem Lok-Typ zumindest im Gebiet Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern bisher nicht bekannt. Es hätte schlimmer kommen können, lautete das Fazit der Beteiligten. Warum die Lok in Brand geriet, soll nun von Experten des Eisenbahnbundesamtes untersucht werden.

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