Berlin : Verkehrschaos nach Bombenfund

Bauarbeiter entdeckten Unter den Linden einen 500-Kilo-Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Am Abend wurde er gesprengt

-

Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg hat gestern die Stadtmitte über Stunden lahm gelegt. Bauarbeiter fanden am Nachmittag Unter den Linden, in der Nähe des Reiterstandbilds Friedrichs des Großen, eine britische 500-Kilo-Bombe. Kampfmittelexperten konnten sie um 20.26 Uhr an Ort und Stelle kontrolliert sprengen. Schäden gab es nicht. Die Polizei sperrte das Gebiet weiträumig ab, evakuierte Humboldt-Universität und Staatsbibliothek und räumte auch den Weihnachtsmarkt am Opern-Palais.

Der Sperrkreis wurde gegen Abend immer größer. Polizisten scheuchten Passanten Unter den Linden weiter weg vom Fundort der Bombe. Um 15 Uhr hatte ein Baggerfahrer auf dem Mittelstreifen des Boulevards in drei Metern Tiefe den Blindgänger entdeckt und alarmierte sofort die Polizei.

Um 16 Uhr stand fest: Eine Fliegerbombe britischer Produktion aus dem Zweiten Weltkrieg lag zwischen Staatsbibliothek und Bebelplatz. Doch wie gefährlich der Blindgänger war, ob er sich überhaupt entschärfen ließ, das war über Stunden unklar. Gegen 17.45 Uhr vergrößerte sich die Hektik, in großer Eile wurden jetzt auch die Eisbahn am Bebelplatz und der Weihnachtsmarkt am Opern-Palais geräumt. „Ziemlich rüde“ fanden das einige Besucher, zumal die Polizisten den Grund für die schnelle Räumung nicht nannten. So war es um 15 Uhr auch den Besuchern der Staatsbibliothek und den Studenten, Professoren und Angestellten der Humboldt-Universität gegangen, als diese Gebäude geräumt wurden.

Um 18 Uhr, als erneut der Sperrkreis vergrößert wurde, sagt ein Polizeisprecher knapp: „Es gibt Schwierigkeiten mit dem Zünder.“ Ab diesem Zeitpunkt ging auch in der Friedrichstraße nichts mehr, die Gäste des Hotels Unter den Linden mussten ebenso ihre Zimmer verlassen wie die Angestellten zahlreicher Bürogebäude. Der Autoverkehr war da schon seit Stunden zusammengebrochen.

Wie viele Menschen den Bereich verlassen mussten, konnte die Polizei nicht sagen. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) informierte sich an Ort und Stelle. An den Absperrungen standen ratlose Touristen, sowie Studenten, die in der Eile der Evakuierung ihre Habseligkeiten in der Universität vergessen hatten. Einige Passanten wollten zum Gottesdienst in der Hedwigskathedrale.

Kurz vor 19 Uhr stellte sich heraus, dass die Feuerwerker der Polizei den Zünder des Blindgängers nicht herausdrehen, die Bombe also nicht auf dem klassischen Wege entschärfen konnten. Auch ein Transport zum Sprengplatz kam nicht mehr infrage. Die Bombe musste gesprengt werden – „kontrolliert“ nennen das die Fachleute. Dabei wurde eine kleinen Menge Sprengstoff an den Enden der Bombe angebracht, die den Zünder herausdrückte, ohne dass die Bombe in die Luft flog.

Zur Sicherheit wurden dennoch unter dem Flutlicht eilends herbeigeschaffter Teleskopmasten meterdicke Sandberge auf die Bombe geschaufelt, darüber deckten die Männer um den Leiter des Kampfmittelräumdienstes der Polizei, Dirk Wegener, dicke schwarze Matten aus Spezialgewebe. Sand und Matten sollten den Explosionsdruck mildern, falls die 500 Kilogramm doch in die Luft fliegen sollten. Dazu kam es aber nicht.

Bis zum späten Abend war die Stadtreinigung damit beschäftigt, den durch die Sprengung aufgewirbelten Sand zusammenzukehren. Schäden an den Gebäuden und dem Reiterstandbild gab es nicht. Die Straße Unter den Linden sollte erst nach Redaktionsschluss wieder für den Verkehr freigegeben werden. Auf der Friedrichstraße rollte der Verkehr hingegen ab 21 Uhr wieder. Staus blieben trotzdem nicht aus.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben