VERKEHRSERZIEHUNG : „Strafe reicht nicht“

Herr Tesch, wie sinnvoll sind angekündigte Verkehrskontrollen?

Kontrollen, ob mit Ansage oder nicht, sind nur bedingt sinnvoll. Meist ärgern sich Bürger über die Geldstrafe, schimpfen auf die Polizei und verfallen in Trotz. Ihr Fehlverhalten überdenken sie nicht.

Fährt man vorsichtiger, wenn man gerade erwischt wurde?

In der Regel nicht. Wir sind Opfer unserer Gewohnheiten. Auch wenn Verkehrssünder Besserung geloben, nach kürzester Zeit fallen die meisten in alte Verhaltensmuster zurück.

Was muss sich ändern?

Zunächst die Verkehrserziehung in den Schulen. Meist kommt, wenn überhaupt, nur einmal im Jahr ein Verkehrspolizist an die Schule. Aber verantwortungsvollen Umgang miteinander lernt man nicht in einer Doppelstunde.

Wie sieht es in den Fahrschulen aus?

Es sind nur zwölf Theoriestunden vorgesehen, das ist zu wenig. Und bei der Fahrlehrerausbildung liegt der Schwerpunkt auf technischem Wissen, die Vermittlung von zwischenmenschlichen Inhalten fehlt. Die Entwicklung einer Verkehrskultur ist im Grunde identisch mit der Sozialkultur: Wir müssen lernen, rücksichtsvoller miteinander umzugehen.

Soll man Verkehrskontrollen abschaffen?

Wenn bei Verkehrskontrollen nicht nur Mahnungen ausgesprochen und Bußgelder verhängt würden, würden die Bürger sie auch nicht als reinen Ausdruck von Repression empfinden. Vielleicht sollte die Polizei Merkzettel mit Verkehrsregeln verteilen – für den Lerneffekt.

Lutz Tesch ist Psychotherapeut und Verkehrspsychologe mit eigener Praxis in Zehlendorf. Er war selbst früher Fahrlehrer. Mit ihm sprach Leonie Langer.

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