Berlin : Verkehrsinfos im Internet: Am Stau vorbeisurfen : Noch ist das Senats-Angebot dürftig

Thomas Loy

Die Verkehrsmanagementzentrale (VMZ), die neueste Antistau-Wunderwaffe des Senats, hat ihren Dienst aufgenommen. Seit Jahren angekündigt, immer wieder verschoben, sind jetzt die ersten Angebote des intelligenten Navigationssystems im Internet einsehbar. Die Verzögerungen kommentiert VMZ-Sprecher Michael Rummel von Debis Mobility Services wie folgt: "Wir sind epochal weit - für Berliner Verhältnisse." Das Angebot ist noch dürftig, aber der gute Wille schimmert durch und im Herbst soll das 30-Millionen-Programm richtig durchstarten. Das Geld wird vom Abgeordnetenhaus aber immer noch zurückgehalten. Die beteiligten Unternehmen Siemens und Debis müssen vorfinanzieren. Michael Rummel versichert, die besonders in der CDU-Fraktion geäußerten Bedenken seien inzwischen ausgeräumt und das Geld werde Mitte September zur Verfügung stehen. Wir haben das bislang vorhandene Angebot schon einmal getestet.

Die VMZ begrüßt den Surfer unter www.vmz-berlin.de/vmz/home.jsp . Auf der Webseite lassen sich Stadtteilkarten mit genauen Daten zu Parkflächen und -häusern aufrufen - leider ohne aktuelle Infos über freie Plätze, wie es in Städten wie Frankfurt (Main) oder Nürnberg möglich ist. Für jeden Bezirk gibt es eine Liste der Verkehrsmeldungen mit Baustellen und Straßensperrungen. Das Wichtigste ist jedoch der Routenplaner, der für öffentliche Verkehrsmittel oder Individualverkehr per Auto die schnellste Verbindung heraussucht. Hier sollen später alle Baustellen und sonstigen Behinderungen aktuell berücksichtigt werden - etwa Demonstrationszüge oder Unfälle.

Bislang gibt es nur den einfachen Streckenplaner, wie ihn auch eine Routenplaner-CD oder der Online-Dienst der Bahn liefert. Auch der "intermodale" Planer, die Kombination von Bus, Bahn und Auto, ist noch nicht betriebsbereit. Das Abrufen aktueller Informationen per WAP-Handy soll im Herbst anlaufen, wenn nicht wieder die Termine ins Trudeln geraten. Bis 2002 soll VMZ eine spürbare Verbesserung des Verkehrsgeschehens erreichen. Bisher arbeiten sechs Mitarbeiter von Siemens und Debis Mobility Services am Potsdamer Platz an dem Projekt. Später soll die VMZ mit der Leitstelle der Polizei zusammen gelegt werden.

Ein erster Test lässt hoffen. Der Routenplaner soll den Weg von der Elsa-Brändström-Straße in Pankow zu Ikea in Spandau finden. Für 16,8 Kilometer über Bornholmer und Osloer Straße, Seestraße, Stadtautobahn und Spandauer Damm weist der ausgedruckte Zettel eine Fahrtzeit von 35 Minuten aus. Tatsächlich dauert es am frühen Nachmittag 34 Minuten, allerdings werden es 900 Meter mehr. Die Fahrtstrecke wird genau genannt - nur am Startpunkt gerät das System in Hektik und weist an, zweimal nach links und einmal nach rechts auf die Brandström-Straße abzubiegen.

Auch der zweite Test, die Weiterfahrt von Ikea-Spandau zum ADAC in der Taubenstraße am Gendarmenmarkt funktioniert gut. In 22 Etappen führt der Streckenplan über Spandauer Damm, Reichsstraße, Kaiserdamm, Bismarckstraße und 17. Juni ans Brandenburger Tor und weiter über Ebertstraße, Behrenstraße, Friedrich- und Französische Straße sowie Markgrafenstraße ans Ziel. Die geplante Zeit von 38 Minuten wird trotz Stop-and-Go am Großen Stern um drei Minuten unterboten. Die reale Strecke ist wieder 500 Meter länger. Der Stau lässt sich nirgendwo blicken.

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