Berlin : Verkehrssenator Peter Strieder präsentiert seine Idee: "Ein Fahrschein für alle"

Klaus Kurpjuweit

Ein Fahrschein für alle, der 50 Mark oder 60 Mark kostet, und der erst eingeführt wird, wenn eine bestimmte Mindestbestellzahl erreicht ist, die das bisherige Einnahmeniveau garantiert: So könnte nach den Vorstellungen von Verkehrssenator Peter Strieder (SPD) ein neues Tarifsystem für Fahrten mit Bahnen und Bussen aussehen. Er würde mehr Fahrgäste bringen und den Verwaltungsaufwand senken, ist Strieder überzeugt. Zusammen mit Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU), der Aufsichtsratsvorsitzender der BVG ist, fordert er von dem Verkehrsbetrieb mehr Fantasie bei den Tarifen, statt die Preise nur einfach zu erhöhen. Die nächste Runde ist zum 1. August geplant.

Einen ganz anderen Weg war der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr vor zehn Jahren gegangen, der, wie die BVG heute, sinkende Fahrgastzahlen verzeichnete. Die BVG hat seit Anfang der 90er Jahre rund ein Viertel ihrer Kunden verloren. Erst im vergangenen Jahr gab es mit einer Million mehr Fahrten wieder einen leichten Zuwachs.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hatte zum 1. Januar 1991 die Preise drastisch gesenkt, das Tarifsystem vereinfacht und das Angebot verbessert. Daraufhin stiegen 28 Prozent mehr Fahrgäste in die Bahnen und Bussen, sagte VRR-Sprecherin Barbara Bungard. Auch die Einnahmen seien gestiegen. In Berlin dagegen steigen die Preise - und die BVG lässt von Ende Mai an weniger U-Bahnen nach Ruhleben fahren.

Einen Anfang beim Umdenken sehen Strieder und Branoner bei den Tickets für Arbeitslosenhilfe-Empfänger und für Studenten, die es jetzt geben soll. Allerdings gehen dabei die Arbeitslosen leer aus, und den Studentenvertretern ist der Preis von 215 Mark für Berlin und das Umland zu hoch. Sie fordern ein Ticket für den gesamten Verbund. Beim VRR kostet das Semesterticket 120 Mark. Die BVG verweist darauf, dass Studenten auch bei 215 Mark für ein halbes Jahr wesentlich weniger pro Monat zahlen als Schüler, deren Tickets erneut teurer werden. Ideen, Fahrscheine anzubieten, die zum Beispiel erst nach 9 Uhr oder nur nachts gelten und billiger sind, hatte vor allem die BVG in der Vergangenheit verworfen.

Strieder hat gestern die vorgesehene Zustimmung seiner Verwaltung zu den höheren Preisen verteidigt. Nach dem Gesetz könne er die Tarifanträge in der Regel nicht zurückweisen. In den vergangenen Monaten hatte die Verwaltung die Erhöhungsanträge nur aus formalen Gründen abgeschmettert.

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