Verkehrsstrategie : Mehr Platz für Radler

In Berlin nimmt der Radverkehr deutlich zu – und deshalb sollen Radler auch mehr Platz auf den Straßen bekommen. Auch die Moabiter Turmstraße soll umgebaut werden. Für Autos bleibt dann nur eine Spur pro Richtung.

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So wird jetzt auch die Turmstraße in Moabit umgebaut. Statt zwei Spuren wird es für Autos nur noch einen Fahrstreifen pro Richtung geben. Radfahrer erhalten einen eigenen Streifen, und dazu bleibt es bei einem Streifen für parkende Autos. Mit dem Umbau solle noch in diesem Jahr begonnen werden, kündigte Mittes Stadtrat für Stadtentwicklung, Ephraim Gothe (SPD) jetzt auf einer Diskussionsveranstaltung an, bei der es um die Frage ging, „Wer bekommt wie viel vom Straßenraum?“

So weit wie Kopenhagen, Melbourne, Sydney oder teilweise auch New York, wo zahlreiche Straßen nur noch von Radfahrern und Fußgängern genutzt werden, will man in Berlin jedoch – bisher – nicht gehen. Ganz verdrängt werden soll das Auto nicht. Dies sei auch schwierig, hat der Grüne Jens-Holger Kirchner, Stadtrat für Öffentliche Ordnung in Pankow, nicht nur beim geplanten Umbau der Kastanienallee festgestellt. Um dort Platz für Radfahrer auf einer eigenen Spur zu schaffen, sollen von 150 Parkplätzen 65 wegfallen. Und in Berlin könne man sich mit drei Sachen große Feinde schaffen, sagte Kirchner: „Wenn man einen Hund tritt oder einen Baum fällt oder Stellplätze streicht.“

Bevor die Turmstraße in den 50er Jahren autogerecht ausgebaut worden war, konnten Fußgänger auf bis zu zwölf Metern breiten Gehwegen flanieren. Diesen Platz werden sie nicht zurückbekommen, aber immerhin sollen die Gehwege 6,80 Meter breit bleiben, während sie an der Kastanienallee teilweise Parkbuchten für Autos weichen sollen. „Gehwegnasen“ sollen das Überqueren der Straße erleichtern. Überlegt wird für Moabit auch, die Thusnelda-Allee, die kürzeste ihrer Art in Berlin, zu einem Platz umzugestalten.

Dem Umbau der Turmstraße wird möglicherweise bald ein weiterer folgen – wenn die Straßenbahn vom Hauptbahnhof, wo sie 2013 ankommen soll, bis Moabit verlängert wird. Platz für die Gleise sei vorhanden, sagte Gothe. Eventuell müssten an Haltestellen aber dann einige der Bäume gefällt werden, die jetzt auf dem Mittelstreifen gepflanzt werden sollen. Trotz Kirchners Theorie, wie man sich Feinde macht, will Gothe mit dem ersten Umbau nicht länger warten. Radler und Fußgänger brauchten schon heute mehr Platz.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) will den Anteil des „Umweltverbundes“ am Verkehr auf 75 Prozent steigern. Schon heute werden über zwei Drittel der Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Bahnen und Bussen zurückgelegt. Im Zentrum sind es bereits 80 Prozent. Dabei gibt es starke Unterschiede in den Bezirken: Laut einer Haushaltsbefragung gehen die Menschen in Mitte überwiegend zu Fuß (35 Prozent), in Friedrichshain-Kreuzberg dominiert mit 21 Prozent das Fahrrad, die Lichtenberger nutzen am häufigsten den Nahverkehr (32 Prozent) und in Spandau und Reinickendorf setzen jeweils 44 Prozent noch aufs Auto. Klaus Kurpjuweit

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