Verkehrstote : Immer mehr Radfahrer unter den Unfallopfern

In diesem Jahr hat die Polizei bislang 15 getötete Radfahrer gezählt. Das ist der höchste Wert seit 2003. Oft tragen die Radfahrer eine Mitschuld.

von
Mit diesen weißen "Geisterrädern" erinnert der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) an bei Unfällen ums Leben gekommene Radfahrer.
Weitere Bilder anzeigen
Foto: Henning Onken
04.04.2011 19:47Mit diesen weißen "Geisterrädern" erinnert der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) an bei Unfällen ums Leben gekommene...

Auch am vorletzten Tag des Jahres meldete das Berliner Polizeipräsidium einen grausamen Unfall eines Radfahrers: Am Samstagabend wurde ein bislang unbekannter Mann von einem Taxi angefahren und lebensgefährlich verletzt. „In einem Krankenhaus kämpfen Ärzte um das Leben des schwer am Kopf verletzten Radfahrers“, teilte die Polizei mit.

Der Unfall geschah um 20.30 Uhr auf der Kreuzung Linienstraße und Rosa-Luxemburg-Straße in Mitte. Der bislang nicht identifizierte Radfahrer fuhr auf der vom Bezirk als „Fahrradstraße“ umgebauten Linienstraße Richtung Westen. Taxifahrer Mehmet A. wollte mit seinem Mercedes auf der Rosa-Luxemburg-Straße Richtung Torstraße fahren – das Fahrrad hatte hier Vorfahrt. Noch nicht geklärt ist, wie schnell Mehmet A. war und ob der Radfahrer mit Licht fuhr. Das müssen nun die Ermittlungen ergeben. Der Radfahrer hatte keine Papiere dabei. Nach Polizeiangaben fuhr er ein Damenrad.

Abgefahren - Ihre unbeliebtesten Radstrecken
Weil hier Bäume gepflanzt wurden, macht der Radweg in der Schnellerstraße in Niederschöneweide einen Schwenk nach rechts. Radfahrer müssen sich den Weg mit Fußgängern teilen.
Weitere Bilder anzeigen
1 von 378Foto: Thomas Loy
28.06.2016 15:46Weil hier Bäume gepflanzt wurden, macht der Radweg in der Schnellerstraße in Niederschöneweide einen Schwenk nach rechts....

Die Linienstraße ist 2008 als erste Straße in der Innenstadt in eine Fahrradstraße umgebaut und ausgeschildert worden. Radfahrer haben dort Vorrang vor Autos, diese dürfen maximal Tempo 25 fahren. An den Kreuzungen gilt jedoch rechts vor links. Autofahrer verleitet die sehr breite und vielbefahrene Rosa-Luxemburg-Straße jedoch dazu, die Vorfahrt aus der sehr schmalen Linienstraße zu missachten. Bauliche Änderungen an der Hauptstraße hat es nicht gegeben.

Berlin fährt Rad
Beim Anschließen bitte genau hinschauen, auch an Fahrradbügeln: Hier nutzten Diebe wohl eine Säge oder Flex. Gesehen vor dem Ring-Center in der Frankfurter Allee, Friedrichshain.
Weitere Bilder anzeigen
1 von 394Foto: Henning Onken
07.06.2016 10:11Beim Anschließen bitte genau hinschauen, auch an Fahrradbügeln: Hier nutzten Diebe wohl eine Säge oder Flex. Gesehen vor dem...

In diesem Jahr hat die Polizei bislang 15 getötete Radfahrer gezählt. Das ist der höchste Wert seit 2003, damals waren 24 Radler getötet worden. Die Zahlen schwanken erheblich im Zehnjahresrückblick: 2005 hatte es sieben Tote gegeben, 2010 waren es sechs und 2011 elf. Auffällig ist in diesem Jahr, dass die Gesamtzahl der Verkehrstoten auf den niedrigsten Stand seit 1949 gefallen ist. Bislang wurden 42 Tote gezählt, im vergangenen Jahr waren es 54. Damit hat sich der Anteil der Radfahrer unter den Verkehrsopfern im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt, nämlich von 20 auf 36 Prozent.

Knapp die Hälfte der getöteten Radfahrer hat den Unfall selbst verursacht – nach einer Statistik des Tagesspiegels waren sieben der 15 Verstorbenen mit schuld an dem Unfall – indem sie den Gegenverkehr missachteten oder eine rote Ampel überfuhren. Die häufigste Unfallursache sind rechtsabbiegende Lastwagen: In diesem Jahr starben allein fünf Radfahrer auf diese Weise. Ein Radler wurde von einem Linksabbieger getötet, einer durch eine sich öffnende Autotür. Ein 57-Jähriger – ein Polizist – wurde von einem betrunkenen Raser angefahren und getötet. Die Getöteten waren zwischen 21 und 80 Jahre alt.

Autor

153 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben