Verkehrsunfälle : Ausufernder Ärger

Immer wieder stürzen Autos in den Landwehrkanal. Hilft ein Tempolimit?

Tanja Buntrock
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Am Haken. Der bislang letzte Unfall ereignete sich am 4. Januar. Nach 18 Minuten wurde der Fahrer aus dem eiskalten Wasser...

BerlinIn fast regelmäßigem Abstand stürzen Autos in den Landwehrkanal. „Tragische Einzelfälle“, nennen Polizei, Bezirk und Senatsverwaltung diese – teilweise tödlichen – Unfälle.

Siglinde Paßers, 65 und Anwohnerin am Schöneberger Ufer, kann die Argumentation der Behörden nicht verstehen. „Die vielen Unfälle vor den Häusern Nummer 61 bis 65 sind keine tragischen Einzelfälle“, sagt sie.

Zuletzt schlitterte ein 21-Jähriger am 4. Januar am Schöneberger Ufer in den Landwehrkanal. Er hatte Glück und überlebte. 18 Minuten lang war Almedin M. im eiskalten Wasser, ehe ihn Rettungstaucher befreien konnten. Wochenlang lag er im künstlichen Koma. Laut Medienberichten soll er sich mittlerweile in einer Reha-Klinik befinden.

Regelmäßig hört Siglinde Paßers es krachen, wenn sie in der Küche steht. Zusammen mit anderen Bewohnern und dem Verwalter der Eigentümergemeinschaft habe sie sich schon vor etlicher Zeit mit dem zuständigen Baustadtrat des Bezirks Mitte, Ephraim Gothe, in Verbindung gesetzt. Der schrieb in einem Brief zurück, dass es in den vergangenen zwei Jahren 65 Unfälle auf der Höhe jener Kurve am Schöneberger Ufer gegeben habe. „Nicht mitgezählt die Fälle, zu denen nicht die Polizei gerufen wird“, sagt Siglinde Paßers. Bei den Unfällen würden Poller herausgerissen, Brief- und Postkästen beschädigt, „manchmal schießen Autos quer über den Gehweg bis in unseren Vorgarten“, berichtet die 65-Jährige.

Siglinde Paßers hat festgestellt, dass die meisten Unfälle immer dann passieren, wenn die Fahrbahn glatt ist. Für sie ist es nur eine Frage der Zeit, bis irgendwann einmal ein unbeteiligter Fußgänger bei einem solchen Unfall überfahren wird. Schließlich sei der Gehweg immer recht frequentiert: Oftmals zögen dort Jugendgruppen entlang, die auf dem Weg von oder zu der nahe gelegenen Jugendherberge seien.

Siglinde Paßers und ihre Nachbarn können nicht nachvollziehen, warum der Bezirk dort nicht längst eine Tempo- 30-Zone eingerichtet hat. Oder einen Starenkasten. „Irgendetwas, das hilft, das Problem zu beheben.“ Sie hält es nicht für ausreichend, dass die Behörden den Autofahrern vorwerfen, es sei deren Schuld, wenn etwas passiert. „Ich glaube, dass die Neigung der Kurve einfach problematisch ist.“

Bereits nach dem schweren Unfall, bei dem Almedin M. nur knapp überlebte, hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erklärt, dass sie momentan keinen weiteren Bedarf zum Handeln sieht. Schließlich sei der betreffende Bereich von der Polizei noch nicht zu einem Unfallschwerpunkt erklärt worden.

In seinem Brief an die Hausverwaltung teilte Baustadtrat Ephraim Gothe immerhin mit, dass man zu dem Warnschild „Achtung Schleudergefahr“ jeweils ein Zusatzzeichen, nämlich „250 Meter“, beigefügt habe, „um explizit auf die Gefahrenstelle vor dem Grundstück Schöneberger Ufer 63 hinzuweisen“, wie es in dem Schreiben heißt. Siglinde Paßers glaubt nicht, dass dieses Schild ausreichend ist. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis wieder etwas passiert. Tanja Buntrock

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