Verkehrsunfälle : Zahl der getöteten Radler hat sich verdoppelt

Schon jetzt sind in Berlin mehr Fahrradfahrer tödlich verunglückt als im gesamten Vorjahr. Auch am Wochenende gab es zahlreiche Unfälle.

André Görke

Wieder war es ein verhängnisvolles Wochenende auf den Straßen Berlins: In einer Charlottenburger Seitenstraße brach sich ein Elfjähriger mehrere Knochen, als er einem Taxi vor die Haube lief. In Friedenau wurde ein Audi gerammt, überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. In der Steglitzer Bergstraße erfasste ein Auto eine etwa 70-Jährige Frau, die jetzt mit Kopfverletzungen im Krankenhaus liegt und immer noch nicht identifiziert werden konnte. Die Polizei kann über die Frau nicht mehr sagen, als dass sie „ein braunes Kleid in Leopardenoptik, einen roten Schal und eine rote Mütze“ trug.

Fünf Verletzte und einen Toten gab es allein an diesem Wochenende in Berlin, die Nachrichten von spektakulären Unfällen im Straßenverkehr mehren sich – aber steigt die Gesamtzahl auch? „Nur marginal, ganz sicher unter fünf Prozent“, sagt Markus van Stegen, Verkehrsexperte von der Polizei. Die exakten Unfallzahlen geben die Behörden erst am Jahresende bekannt. „Wir hatten viele dramatische Unfälle in diesem Jahr, die man im Gedächtnis behält“, sagt van Stegen. „Das ist aber nur die gefühlte Verkehrsunfallstatistik.“ In diesem Jahr sind 40 Menschen im Straßenverkehr ums Leben gekommen, im Vorjahreszeitraum waren es 43.

Auffällig ist vor allem die Zahl der verunglückten Radfahrer. 12 Tote sind es bislang, im Jahr zuvor waren es zum selben Zeitpunkt nur sechs – im gesamten Jahr 2006 neun. Diese hohe Zahl begründet die Polizei vor allem mit dem milden Winter: „Die Radsaison hat in diesem Jahr schon im Januar begonnen“, sagt van Stegen. Im April 2006 gab es noch Frost, da blieben viele Fahr- und Motorräder stehen. Zahlreiche Autofahrer waren zudem mit Bus und Bahn unterwegs. Laut ADAC hat es in den ersten fünf Monaten bundesweit einen Anstieg von Unfall- und Verunglücktenzahlen gegeben – die Zahl der Getöteten sei bundesweit gar um elf Prozent gestiegen.

Nach Einschätzung der Berliner Polizei bewegen sich die Unfallzahlen derzeit im statistischen Normalbereich. Zwar habe es besonders krasse Vorfälle gegeben wie vor knapp vier Wochen in der Bundesallee, als ein Autofahrer erst einen Vierjährigen anfuhr, den Unterschenkel brach, ihn beschimpfte und anschließend flüchtete. Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Fußgänger sei aber gleichbleibend hoch, heißt es bei der Polizei. In diesem Jahr wurden bislang 13 Fußgänger getötet – im Vorjahreszeitraum waren es 15. Auch der Regen habe „keinen spürbaren Einfluss“ auf die Zahl der Unfälle, so die Polizei. Benno Koch, Landesvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, weist zudem daraufhin, dass „90 Prozent der Unfälle mit Fahrradfahrern bei Tageslicht passieren“ und nicht etwa bei Nacht, wenn Fahrradfahrer ohne Licht oder in dunklen Klamotten fahren.

Der Regen kann sogar von Vorteil sein: Viele Autofahrer fahren zwar unsicherer, aber dadurch auch langsamer – zumindest die meisten. Samstagabend wurden allerdings zwei junge Männer – 24 und 19 – in Adlershof von der Polizei gefilmt, als diese mit 120 Sachen durch die Stadt donnerten und erst am S-Bahnhof Schöneweide gestoppt wurden. Beiden droht nun eine Geldstrafe in Höhe von 700 Euro und vier Monaten Fahrverbot.

0 Kommentare

Neuester Kommentar