Verkeimtes Schulessen : Labor-Tests entlasten Caterer

Die Ursache für die Krankheitswelle in Schulen und Kitas ist weiter unbekannt, Proben des Lieferanten Sodexo blieben unauffällig. Damit darf der Caterer wieder in die Einrichtungen liefern. Experten fordern höhere Zuschüsse des Landes, um die Qualität des Schulessens zu verbessern.

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Keime auf dem Teller? Nach den massenhaften Erkrankungen von Schülern in mehreren Bundesländern ist die Verunsicherung groß.
Keime auf dem Teller? Nach den massenhaften Erkrankungen von Schülern in mehreren Bundesländern ist die Verunsicherung groß.Foto: dpa

Noch immer ist die Ursache für die massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen von Schulkindern unbekannt. In Berlin haben sich bislang keine Hinweise darauf ergeben, dass die Infektionen durch das Cateringunternehmen Sodexo hervorgerufen wurden. „Keine der Proben, die bei dem in Verdacht stehenden Unternehmen entnommen wurden, war auffällig“, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz, Lisa Jani, dem Tagesspiegel. Das Unternehmen habe alle möglicherweise betroffenen Lieferungen zurückgeholt und eine sogenannte Grundreinigung durchgeführt. Aus fachlicher Sicht bestünden daher keine Gründe mehr, die beiden Berliner Großküchen geschlossen zu halten.

Die Senatsbildungsverwaltung hat nun die Warnung vor dem Sodexo-Essen wieder aufgehoben, das bedeutet, dass Schulen und Kitas das Essen ab nächster Woche vermutlich wieder in Empfang nehmen werden. Das Unternehmen hatte sich in den vergangenen Tagen kooperativ gezeigt und einer Vereinbarung zugestimmt, in dieser Woche kein Essen an die Schulhorte zu liefern.

Während die Erkrankungswelle der Magen-Darm-Infektionen merklich abebbt, scheint die Diskussion über die Qualität des Schulessens indessen erst richtig zu beginnen. Das ist auch bitter nötig, sagte der bildungspolitische Sprecher der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Özcan Mutlu, dem Tagesspiegel. Wer die Gesundheit der Kinder schützen wolle, müsse nicht nur die Kontrollen verstärken, sondern auch mehr Geld in die Hand nehmen: „Wer glaubt, dass man für die jetzt vom Senat durchschnittlich für das Grundschulessen bereitgestellten 1,97 Euro eine ordentliche Qualität auf den Tisch bekommt, glaubt auch an den Weihnachtsmann.“

Dabei müssen sich die Politiker in Sachen Schulessen gar nicht mehr auf ihren Glauben verlassen. Schließlich wurde in einer von Senatsbildungsverwaltung und AOK in Auftrag gegebenen Studie gerade ermittelt, wie viel ein Schulmittagessen kosten muss, das die von den Ländern allgemein anerkannten Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erfüllt. Dabei wurden für die Berliner Schularten folgende Preisspannen für ein Schulmittagessen ermittelt: Grundschulen 3,17 bis 3,36 Euro, Gymnasien 3,97 bis 4,25 Euro und Integrierte Sekundarschulen 3,14 Euro bis 4,25 Euro.

Die Studie war wie berichtet in Auftrag gegeben worden, nachdem die sechs größten Berliner Schulcaterer in diesem Jahr eine Neuausschreibung des Schulessens in Friedrichshain-Kreuzberg boykottiert hatten. Dabei war der Bezirk sogar noch auf 2,10 Euro pro Portion gegangen. Aber auch das sei viel zu wenig, sagt Rolf Hoppe vom Caterer Luna, der auch Vorsitzender des Verbands der Caterer ist: „Wir können für 2,10 Euro einfach kein vernünftiges Essen liefern, jedenfalls nicht mit gutem Gewissen.“

Hoppe fordert deshalb ein Umdenken – und das nicht nur beim Schulessen. „Die Deutschen gehören zu denjenigen Nationen, die am wenigsten Geld für Essen ausgeben“, sagt er: „Folgerichtig haben sie auch das schlechteste Essen auf dem Tisch. Aber wenigstens die Kinder sollten uns etwas mehr wert sein.“ Hoppe begrüßt daher, dass Bildungssenatorin Sandra Scheeres ein Gesamtkonzept zum Thema Essensqualität in Kindergärten und Schulen angekündigt hat, das sowohl mehr Geld für das Essen als auch mehr Kontrollen vorsieht.

Was die Grundschulen anbelangt, gehe das nur in Zusammenarbeit mit den Bezirken, sagt der Bildungsstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Peter Beckers (SPD). Seiner Ansicht nach würde eine Beteiligung der Eltern am Schulessen gemäß ihres Einkommens einen „irren Verwaltungsaufwand“ erfordern. Deshalb sei es besser, dass das Land Berlin die Finanzierung des Essens komplett übernimmt und mit einer Zweckbindung versieht. Dann sei sichergestellt, dass die Bezirke das Geld auch in gleicher Höhe – etwa 3,20 Euro – an die Caterer weitergeben. „Gleichzeitig fordere ich eine externe Qualitätskontrolle für ganz Berlin“, sagt Beckers: „Sonst werden die Caterer jene Bezirke meiden, in denen mehr kontrolliert wird.“ Ein Sprecher der Senatsverwaltung sagte, man werde mit den Bezirken sowie den Gesundheits- und Verbraucherschutzexperten alle Vorschläge prüfen. Aus der Finanzverwaltung hieß es, man warte das Gesamtkonzept ab und werde dann nach Lösungen suchen.

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