Berlin : Verleihung des "FiFi"-Awards: Duftnoten

Sebastian Schneller

Die Gerüche der ersten Lieben behält man ein Leben lang in der Nase: Karl Lagerfeld kann sich immer noch an das Guerlain-Parfum seiner Mutter erinnern und Eva Herman an das After Shave ihres ersten heißen Flirts. Am Freitagabend durften sich beide auf der Bühne des Deutschen Theaters daran erinnern. Der Modeschöpfer aus Paris als Laudator, die Tagesschau-Sprecherin aus Hamburg als Moderatorin der 9. Verleihung des "FiFi"-Awards - hinter dem Namen, der mehr an eine etwas anrüchige Hundemischung erinnert, versteckt sich der "Oscar" der Parfumbranche. In Berlin wurde der "FiFi" zum zweiten Mal vergeben - dazu hatte die deutsche Abteilung der "Fragrance Foundation" ihre Mitglieder aus der Kosmetik- und Körperpflege-Branche geladen, um ein knappes Dutzend Düfte und ihre Verpackung zu prämieren. Statt prominenter Preisträger gaben sich die Abteilungsleiter der jeweiligen Marketing-Bereiche ein Stelldichein. Wenig Glanz auf der Bühne also und auch nur wenig vor und nach der Show in den Foyers des Deutschen Theaters und der Kammerspiele. Parfum verkauft sich über Bilder, hatte schon vorher ein altersweiser Willi Bogner verkündet, und unter der Handvoll Party-Profis kursierte das böse Wort vom Vertreter-Betriebsausflug. Wenigstens ließen die Newcomer auf mehr Glamour in den nächsten Jahren hoffen: Jette Joop - selbst Produzentin diverser Life-Style-Produkte von Schmuck bis Mode - gestand, dass sie gar keine andere Wahl hätte, als demnächst einen eigenen Duft auf den Markt zu bringen. Auch Harald Glööckler, Modemacher und bester Darsteller der eigenen Pompöös-Kollektion, plant ein eigenes Wässerchen. Immerhin saß Glööckler während der Preisvergabe schon mal ganz vorn gleich hinter Karl Lagerfeld, dessen Parfums zur eigenen Marke mittlerweile zu den Klassikern zählen. Der Modemacher war aus Paris geladen worden, um den Ehren-FiFi an Jean-Paul Guerlain zu überreichen. Der Grandseigneur der Parfum-Industrie verkörperte das Gegenteil seines Laudators, denn die Guerlains haben nie etwas anderes verkauft außer Parfums und Riechsalzen und das schon in der fünften Generation.

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