Berlin : Verletzte und Tumulte bei Usher-Konzert

Mehr als 10 000 Fans wollten den Sänger sehen Der meldet sich krank, tritt auf – und bricht ab

Müde, fahrig – krank. Dem Veranstalter legte Usher ein Attest vor. Foto: dpa/Pedersen
Müde, fahrig – krank. Dem Veranstalter legte Usher ein Attest vor. Foto: dpa/PedersenFoto: dpa

Was für ein merkwürdiger Abgang am Bebelplatz. Usher schleicht spät in der Nacht durch die grell erleuchtete Tiefgarage unterm „Hotel de Rome“, die Entourage trägt die Taschen hinterher. Der US-Sänger setzt sich in den schwarzen VW-Bus, Personenschützer ziehen die Gardinen vors Fenster, dann gibt der Chauffeur Gas.

Was für ein merkwürdiger Abend zuvor in der O2-World. Die Show von Sänger Usher ist gerade abgebrochen worden, draußen schimpfen die Fans. Mehr als 50 Euro hatten viele gezahlt, Usher ist Grammy-Gewinner, ein Superstar mit 45 Millionen verkauften Platten. Doch in Berlin stand er gerade einmal eine halbe Stunde auf der Bühne. Er wirkte verwirrt, sang Playback. Die Fans pfiffen, Plastikbecher flogen, draußen rückte die Polizei an. Die Feuerwehr war da längst vor Ort. Denn kurz vor dem Konzert hatte sich eine Kette von der Hallendecke gelöst und war aus 14 Metern Höhe auf die Zuschauer heruntergefallen. Drei Mädchen, sagt ein Polizeisprecher am Freitagmorgen, wurden leicht verletzt, zwei kamen ins Krankenhaus. Die Veranstalter untersuchen den Unfall.

Doch dieser Donnerstag hatte ein Vorspiel. Eigentlich sollte das Konzert bereits am Mittwoch über die Bühne gehen: Die Vorbands waren schon aufgetreten, 15 000 Fans füllten die Halle, viele waren extra aus dem Umland angereist. Da ertönte plötzlich aus den Lautsprechern die Durchsage, dass Usher nicht auftreten könne, „aus Krankheitsgründen“. Offiziell war später die Rede von einer „Mittelohrentzündung mit Sinuskomplikation“, die seinen Gleichgewichtssinn beeinträchtige. Inoffiziell wurden Gründe genannt, die eine andere Ursache, aber durchaus ähnliche Folgen haben.

Am nächsten Tag meldet sich der Konzertveranstalter zu Wort. Der Star sei in einem Berliner Krankenhaus gewesen, „ein ärztliches Attest lag vor, dass er nicht auftreten könne“. Doch „über Nacht ist er so weit genesen, dass seine Show ohne Komplikationen nachgeholt werden kann“. Auch Usher selbst drückt sein Bedauern aus über den Ausfall: „Es tut mir wirklich sehr leid für meine Fans und ich entschuldige mich für die Unannehmlichkeiten (...). Ich war krank und ich habe gefühlt, dass ich nicht die Show hätte präsentieren können, die meine Fans verdienen.“ Er freue sich auf „eine fantastische Show“.

Am Donnerstag pilgern dann wieder mehr als 10 000 Zuschauer durch den Nieselregen zur Halle in Friedrichshain. Das DJ-Vorprogramm ist lau. Der Unfall mit der heruntergefallenen Kette kommt noch hinzu. Aber immerhin: Um 20.35 Uhr ist Usher wirklich da. Ausgestattet mit verspiegeltem Cyber-Motorradhelm und Lederjacke tanzt er sich zu den ballernden Funk-Beats von „Monstar“, einem Stück von seiner letzten Platte „Raymond vs. Raymond“, mit roboterartigen Moves zur Bühnenmitte, wo er – noch ohrenbetäubenderer Jubel – den Helm abnimmt. Ist er wirklich fit? „Berlin, how are you?“, ruft er ins Publikum.

Dass Playback gespielt wird, kommt auch bei vielen anderen Sängern vor. Aber auch mit den Tänzern kann Usher kaum mithalten, er wirkt müde, fahrig – und bricht mitten im vierten Lied ab. Wieder Buhrufe, und nun werden sie immer lauter. Schnell nimmt der Hallen-DJ seine Arbeit auf und spielt ein Medley älterer Usher-Hits, zu denen Ausschnitte seiner Videos eingeblendet werden, die den desolaten Zustand des Stars erst recht verdeutlichen. Ist dieser Auftritt hier nur vorgegaukelt, um keine Vertragsstrafe zahlen zu müssen?

Zehn Minuten später kommt Usher wieder auf die Bühne. Er singt zwei Lieder, doch seine Stimme klingt wie die eines verschnupften Frosches. Als die Pfiffe immer und immer lauter werden, senkt Usher den Kopf, geht von der Bühne und sagt: „Thank you, Berlin. I’m so sorry. Promise, I’ll be back“. 15 Minuten später bestätigt der Tourmanager den Abbruch der Show. „Usher is so sorry. He tried, but he is too sick“. Das Durcheinander beginnt. Verletzt wird niemand.

Am nächsten Tag teilen die Veranstalter mit: Usher sei an einem Infekt erkrankt. Das Geld für die Tickets werde erstattet. Und das Konzert in Oberhausen am heutigen Sonnabend sei auch gleich abgesagt. AG/dapd/J.W./tabu

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