Berlin : Verletzter Junge ist in „guter Verfassung“

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Der zehnjährige Junge aus Reinickendorf, der in der Nacht zu Freitag von seiner Mutter mit einem Messer attackiert und verletzt worden war, befindet sich in „guter Verfassung“. Die Verletzungen seien nur oberflächlich gewesen, teilte die Sprecherin der Charité, Kerstin Ullrich, gestern mit.

Wie berichtet, hatte die 44jährige Irene T. ihren Sohn mit einem Messer verletzt – in einem „geistig abwesenden Zustand“, wie die Polizei es umschrieb. Hintergrund der Tat waren offenbar wirtschaftliche Schwierigkeiten der Frau, die nicht mehr gewusst habe, wie sie mit ihren beiden zehn und 13 Jahre alten Kindern finanziell über die Runden kommen sollte. Wie sie in der Vernehmung angab, habe man ihr wegen der Hartz-IV-Regelung die Wohnung am Eichborndamm gekündigt, weil deren Miete um 40 Euro zu hoch sei.

Ihre wirtschaftliche Lage habe sich immer mehr zugespitzt. Warum sie den Jungen verletzt habe, wisse sie nicht. Das Jugendamt hat den Jungen der Frau und ihre Tochter in Obhut genommen.

Die Staatsanwaltschaft hatte darauf verzichtet, die Frau einem Haftrichter vorzuführen, da nichts darauf hindeute, dass sie plante, sich und ihre Kinder zu töten. Dennoch müssen man prüfen, ob sich hier etwas anbahnte, das Psychologen als „erweiterten Suizid“ umschreiben. Fälle also, in dem ein Selbstmörder nahe Angehörige mit in den Tod nehmen wolle, um ihnen das weitere Leben zu ersparen.

So ertränkte ein 44-Jähriger in Neukölln im Mai 2004 seine zehnjährige Tochter im Bad, erwürgte seine Freundin und schnitt sich dann selbst die Adern auf. Weshalb er dies tat, ist ungeklärt. Eifersucht war das Motiv einer Familientragödie im Februar 2005 in Neukölln. Dabei erstach ein 36-Jähriger vor den Augen dreier Kinder seine Frau. Und im vergangenen Juli erschoss ein 54-Jähriger seine zweijährige Tochter und sich selbst in einem Hotelzimmer, weil er fürchtete, die getrennt lebende Mutter könne mit dem Kind verschwinden. ac

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