Berlin : Verlieren mit Charme

Beide Berliner Hockey-Klubs scheitern in der Meisterschaft

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin. Die Unprofessionalität hatte einen gewissen Charme. Als die Frauen-Bundesligamannschaft des Berliner Hockey-Clubs (BHC) sich vor dem Spiel der BHC-Herren gegen den Münchner Sport-Club als Cheerleader versuchten, war bereits für eine gute Stimmung gesorgt. Dass Nationalspieler Bastian Timm den BHC mit zwei Toren in der Anfangsphase dann auch noch mit 2:0 in Führung brachte, versetzte die 1100 Zuschauer in der Sporthalle Schöneberg in Feierstimmung. Doch die gute Laune nutzte am Ende nichts: 5:10 (3:2) verloren sie das Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft gegen den Titelverteidiger aus München. Auch die zweite Berliner Mannschaft, die Zehlendorfer Wespen, ist ausgeschieden. Sie verlor beim Dürkheimer HC mit 5:9 (4:4).

„Das ist einfach zu schade“, sagte BHC-Manager Horst Buhr nach dem Spiel. „So viele Zuschauer kriegen wir für ein Spiel auf dem Feld lange nicht zusammen.“ Hallenhockey zieht mehr Fans an. „Unterm Dach ist es attraktiver, schneller.“ Trotzdem habe Feldhockey für den Verein Priorität. Denn nur die erste Feldhockey-Bundesliga wird vom Landessportbund finanziell unterstützt. Weil Hockey auf dem Feld olympisch ist, Hockey in der Halle nicht. „Nun können wir uns wieder auf Hockey unter freiem Himmel konzentrieren,“ sagt BHC-Trainer Frank Hänel. Dort sind die Berliner vor einem Jahr abgestiegen, in der Zweiten Liga liegen sie nun mit einem Punkt an der Spitze. Wie früher beim Profifußball wird in der Winterpause unterm Dach gespielt. Im April geht die Saison auf Kunstrasen weiter.

Die Münchner spielen am nächsten Samstag im Halbfinale in Limburg gegen den Gladbacher HTC. Mit dabei sein werden dann auf jeden Fall wieder die drei Michel-Brüder Björn, Sven und Lars, die alle im Bundesliga-Team der Münchner spielen. „Vielleicht ist nächstes Wochenende auch mein jüngster Bruder Sören wieder dabei“, sagt Rekordnationalspieler Björn Michel. „Der hat zurzeit ein Formtief.“ Vielleicht sollten sich die Michels ja mal überlegen, eine Mannschaft ausschließlich aus Familienmitgliedern zusammenzustellen. „Warum nicht“, sagt Björn Michel. „Unser Vater könnte auch noch mitspielen. Der war 1971 Europameister mit der Nationalmannschaft.“

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