VERLOSUNG : Platz an der Kamera Haus mit Ausstrahlung

Das ARD-Hauptstadtstudio lädt am Sonnabend zum Tag der offenen Tür ein. Ein Vorabbesuch in der Nachrichtenzentrale des politischen Berlins

Matthias Jekosch

Fernsehen zum Anfassen wird am Sonnabend von 10 bis 18 Uhr im ARD-Hauptstadtstudio geboten – und das im Wortsinn. Denn außer Bühnenprogramm und Kinderaktionen können sich Tagesspiegel-Leser jeweils eine Stunde lang als Kameraleute ausprobieren. Wir verlosen vier Plätze unter den Einsendern einer E-Mail an verlosung@tagesspiegel.de (bis 14 Uhr). Bitte Namen und Rückrufnummer nicht vergessen. mj

Wenn es so etwas wie Fabriken für Nachrichten gäbe, dann wäre das ARD-Hauptstadtstudio sicherlich eine der produktivsten. Denn keine Tagesschau, keine Tagesthemen oder ARD-Hörfunknachrichten ohne Zulieferung aus dem Haus an der Ecke Wilhelmstraße/Reichstagufer. Am morgigen Sonnabend ist dort Tag der offenen Tür – präsentiert vom Tagesspiegel. Wir haben schon vorher mal geschaut, wer dort eigentlich auf Sendung geht.

DER STUDIOLEITER

Der Blick schweift aus seinem Bürofenster. Ulrich Deppendorf scheint kurz seine Gedanken sammeln zu müssen. „Ich gebe ungern Persönliches von mir preis“, sagt der Leiter des ARD-Hauptstadtstudios dann. Eigentlich ist er es, der die Fragen stellt, der in den Sommerinterviews den Chefs der großen Parteien auf den Zahn fühlt und an Wahlabenden Zahlen und Fakten verkündet. Deppendorf ist sicherlich das bekannteste Gesicht des Studios. Die Zuschauer kennen den 57-Jährigen nicht nur aus dem „Bericht aus Berlin“, sondern auch aus zahlreichen Wahlsendungen und Reportagen. Derzeit tourt er für die ARD- Sommerinterviews durchs Land, am Sonnabend trifft er Edmund Stoiber (und wird deshalb die Gäste beim Tag der offenen Tür nicht persönlich begrüßen können). Der gebürtige Essener leitete das Hauptstadtstudio bereits von 1999 bis 2002. Dann ging er als Programmdirektor zum WDR nach Köln. In all der Zeit behielt er aber immer eine Wohnung in der Hauptstadt. Diesen Mai übernahm er wieder den Posten in der Wilhelmstraße 67a und sagt: „Ich bin frohen Herzens wieder nach Berlin gekommen.“

Dort, wo er jetzt arbeitet, liegt nicht das Berlin, in dem „ick“ und Currywurst dominieren. „Es ist ein etwas abgeschlossener Kreis“, gibt Deppendorf zu. Immerhin: „Wir sind mittendrin im politischen Geschehen“, sagt der Journalist, der mit seiner Körperlänge von 1,93 Meter die meisten Akteure überragt. So muss sein Team aus insgesamt 200 Mitarbeitern gar nicht weit ausschwärmen, wenn etwas geschieht. Und es passiert eigentlich immer etwas. Aus seinem Bürofenster im vierten Stock schaut Deppendorf, der eins als Volontär seine ARD-Karriere begann, direkt auf das Paul-Löbe-Haus, das Gebäude der Bundespressekonferenz und – etwas weiter entfernt – das Kanzleramt. Das ist seine Welt, und zwar rund um die Uhr. „Freizeit können sie eigentlich vergessen“, sagt er. An drei Wochenenden im Monat moderiert er den „Bericht aus Berlin“, das verbleibende Wochenende hat er dann frei. Das Handy bleibt aber trotzdem immer an, außer er widmet sich seiner Leidenschaft, der klassischen Musik. So war er auch dieses Jahr wieder Pate bei Young Euro Classic.

DIE PRODUKTIONSASSISTENTIN

„Action-Zimmer“ nennt Martina Michel ihren Arbeitsplatz. Von ihrem Büro aus koordiniert sie die Einsätze des Tages, bestellt Drehteams, Cutter und Überspielungen. Sie ist eine von vier Produktionassistenten, die in Schichtarbeit die Fäden zusammenhalten. Für die Grönland- Reise der Bundeskanzlerin musste beispielsweise Material aus dem Land organisiert werden – was nicht so leicht war. Aber das ist der Job: „Es gibt immer wieder Situationen, die man vorher nicht kannte“, sagt Martina Michel. Die 46-Jährige wirkt sehr entspannt. Noch wenige Minuten klingelte ständig das Telefon. Von ihrem Platz hat sie außerdem immer fünf Bildschirme im Blick, auf denen verschiedene Programme zu sehen sind. „Ich lass’ mich nicht so schnell aus der Ruhe bringen.“

DIE CUTTERIN

Mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit zieht Juliane Gemmicke den elektronischen Stift über das Touchpad, das vor ihr liegt. Auf dem Bildschirm reiht sich Filmsequenz an Filmsequenz. Was verschiedene Kameras aufgenommen haben, fügt sie an ihrem Arbeitsplatz zu einem Ganzen zusammen. „Letztlich erzähle ich eine Geschichte mit Bildern“, sagt die 56-Jährige. Sie hat das Schneiden noch im wahrsten Sinne des Wortes gelernt. Mit der Schere wurden früher einzelne Bilder aus der Filmrolle gelöst. Die moderne Technik an den insgesamt sechs Schnittplätzen im Haus ermöglicht viel schnelleres Arbeiten. Stolz erzählt sie von ihrem schnellsten Stück, das sie in zwölf Minuten pünktlich zur Tagesschau fertigstellen musste. „Das ganze Haus hat gezittert.“ Zusammen mit den Redakteuren bespricht sie die Beiträge. Dabei kommt ihr auch die Rolle der Kritikerin zu: „Ich bin immer der erste Zuschauer.“

DER KONTROLLINGENIEUR

Im Hauptschaltraum sitzt Michael Wentzel. An der Wand flimmern Sendungen über die Monitore, vor ihm flackert ein Oszillograf zwischen einer Unmenge von Knöpfen. Alle Überspielungen von und zum Studio gehen hier ein und werden aufgezeichnet. Wentzel nennt den Raum das „Herz“ des Gebäudes. „Saarbrücken ins Hauptstadtstudio. Ich hab einen Beitrag für euch“, schallt es. Er legt ein Band ein, drückt ein paar Knöpfe und die Überspielung kann beginnen. Der gebürtige Berliner hat beim DDR-Fernsehen gelernt. Aus jener Zeit ist ihm noch ein besonderes Erlebnis in Erinnerung: „Wir hatten eine Schaltung mit Arafat. Der kam rein und legte erst mal seinen Revolver auf den Tisch.“ So etwas kommt im ARD-Studio nicht vor, dennoch kann die Stimmung mal aufgeladen sein: wenn zum Beispiel ein Politiker zurücktritt.

DER KAMERAMANN

Im Studio neben dem Schaltraum hat Kameramann Wolfgang Voigt seinen Arbeitsplatz. Aus dem breiten Panoramafenster in der Studioecke kann er direkt auf das Regierungsviertel schauen. Meist muss er dort aber Ellenbogeneinsatz zeigen. „Wehe, wenn du keine Bilder hast“, sagt der 58-Jährige. Aber normalerweise verständigt man sich unter Kollegen: „Wir kennen uns und meist wird die Disziplin eingehalten.“ Im Studio, aus dem der „Bericht aus Berlin“ oder auch „Brennpunkte“ gesendet werden, ist er auch für die Beleuchtung zuständig. Um seinen Hals baumelt immer eine Kette mit dem ARD-Hausausweis, einer Pressekarte für den Reichstag und einer für die Bundestagsgebäude. Jeden Moment kann es für ihn wieder losgehen.

DIE TONINGENIEURIN

Im ersten und zweiten Stock des 1999 eröffneten Gebäudes ist der Hörfunk untergebracht. Inmitten von Mischpulten, Reglern und blinkenden LED-Lämpchen arbeitet dort Karin Meißner. Sie hätte sich beim Wechsel ins Hauptstadtstudio 1999 auch fürs Fernsehen entscheiden können, denn sie hat noch beim DDR-Fernsehen Tontechnikerin gelernt. „Für jemanden, der Ton macht, ist Hörfunk viel intensiver“, begründet sie ihre Entscheidung für die Radiowelt. Mehr als 55 Hörfunkprogramme werden aus dem Hauptstadtstudio beliefert. Sie ist die Frau für die komplizierten Sachen wie Mehrspuraufnahmen, Gesprächsrunden oder Features und kam in ihrer Zeit bei der ARD eigentlich mit allen bekannten Politikern zusammen. „Das sind alles ganz normale Leute“, ist ihre Erkenntnis.

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