Vermieter Stahl : "Ich nehme nicht jeden Euro mit"

Thomas Stahl, 68, Heizungstechniker, besitzt dank einer Erbschaft ein Haus mit 18 Wohnungen in Prenzlauer Berg. Für die Arbeit am Haus bezahlt er sich selbst 1000 Euro im Monat. Als Vermieter setzt er auf Fairness.

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Vermieter Thomas Stahl.
Vermieter Thomas Stahl.Foto: Paul Zinken

Herr Stahl, wie wird man vom Heizungstechniker zum Immobilienbesitzer?

Durch eine Erbschaft. Das Haus ist ein Altbau in der Nähe der Schönhauser Allee, 18 Wohnungen auf vier Etagen in Vorder- und Hinterhaus. Wir waren zwei Erben, den anderen habe ich ausbezahlt. Und seit 2001 gehört das Haus mir – beziehungsweise der Bank.

Wie viel hat Ihnen die Bank gegeben?
Ich habe etwa 1,8 Millionen DM in das Haus investiert. Damals gab es noch günstig Geld von der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Ich hatte ein paar schlaflose Nächte, ob ich es wirklich riskieren soll. Jetzt zahle ich jeden Monat etwa 4000 Euro an die Bank zurück.

Und wie hoch sind die Mieteinnahmen?
Im Moment dürften das ungefähr 7000 Euro sein, früher war das wesentlich weniger. Man darf auch nicht vergessen, dass ich von den Einnahmen Geld zurücklegen muss für Reparaturen und Instandhaltungen. Ich versuche, ungefähr 40.000 Euro in Reserve zu haben. Jetzt habe ich gerade Dachdecker im Haus gehabt, die eine undichte Stelle geflickt haben. Das hat gut 8000 Euro gekostet.

Was bleibt dann monatlich für Sie übrig?
Ich verwalte das Haus selber, suche neue Mieter aus und kümmere mich um die alten. Unter der Woche sehe ich zu, dass ich an zwei bis drei Tagen im Haus ansprechbar bin. Ich würde schätzen, dass ich eine gute Woche im Monat ausschließlich mit Verwaltungsarbeiten für das Haus beschäftigt bin. Und dafür zahle ich mir selbst monatlich etwa 1000 Euro.

Was denken Sie als Hausbesitzer über die aktuelle Mietendebatte in der Stadt?
Ich stelle vor allem fest, dass die Wohnungssuche immer schwieriger zu werden scheint. Auf ein Inserat bekomme ich locker 100 Anfragen. Dann mache ich eine Vorauswahl und am Ende stehen trotzdem noch zehn Leute vor der Tür. Nach meinem Gefühl gibt es aber trotzdem immer noch Mieter, die sich mehrere Wohnungen anschauen und dann aus verschiedenen Angeboten auswählen können. Gar nicht mal wegen des Geldes. Sondern weil sie gut in viele Hausgemeinschaften passen, weil viele Vermieter sie gern bei sich sehen würden.

Und die anderen Mietinteressenten?
Da gibt es auch welche, die versuchen, sich mit gewissen Extras einen Vorteil zu verschaffen. Beispielsweise, dass man mir einige hundert Euro anbietet. Oder dass man anbietet, die Miete für ein Jahr im Voraus zu bezahlen. Solche Dinge.

Das lohnt sich nicht bei Ihnen?
Nein. Das finde ich unfair den anderen gegenüber. Solche Leute sind mir irgendwie suspekt. Ich würde denken, dass sie besonders schnell wieder ausziehen, wenn sie meinen, etwas Besseres gefunden zu haben. Mir ist aber daran gelegen, nicht ständig neu suchen zu müssen.

Was für Mieter haben Sie denn gerne?
Ich achte etwas darauf, dass es eher jüngere Leute sind. Die stört der Lärm der anderen jüngeren Menschen nicht so. So hat es sich mit der Zeit ergeben.

Erhöhen Sie die Miete regelmäßig?
Ich schaue schon, mit was für Mietern ich es zu tun habe, und überlege, wem ich welche Miete zumuten kann.

Was zahlt man denn bei Ihnen?
Ich habe eine Kaltmiete zwischen fünf und sechs Euro. Die Bestandsmieter liegen eher bei fünf, und wenn jemand neu einzieht, liegt der eher bei sechs Euro. Ich orientiere mich dabei am Mietspiegel.

Was wünschen Sie sich für Ihre Mieter?
Vor allem, dass sie sich wohl fühlen. Dass die Mischung im Haus passt. Dass man relativ schnell versucht, Probleme mit Reparaturen und Ähnlichem zu lösen. Und natürlich auch, dass die Mieten bezahlbar bleiben. Insbesondere bei den Nebenkosten lässt sich durchaus Geld sparen, wenn man als Vermieter ein bisschen schaut und auch mal selber was macht. Um die Pflanzen im Hof kümmere ich mich zum Beispiel selber.

Wie ist Ihr Verhältnis zu den Mietern?
Ich bilde mir ein, dass das ein sehr gutes Verhältnis ist. Ich streite mich ungern und versuche, eine persönliche Beziehung aufzubauen. In den letzten Jahren habe ich immer zu einer Weihnachtsfeier in ein Restaurant eingeladen.

Und dann haben Sie Geschenke verteilt?
Nein, das war halt ein bisschen weihnachtlich eingerichtet, es gab ein kleines Geschenk für den Hausmeister und was zu essen. Aber seit dem letzten Jahr habe ich die Feier eingestellt. Da ist nur noch ein Mieterehepaar gekommen. Jetzt überlege ich, ob man nicht mal ein kleines Sommerfest machen könnte, Grillen im Hof, so was. Wenn das losgeht, wenn die Leute von der Arbeit kommen, dann bleiben sie vielleicht für eine Wurst auch da.

Was kann man gegen Mietsteigerung tun?
Ich glaube, eigentlich kann man nichts machen. Insgesamt wird die Miete in der ganzen Stadt steigen, ganz einfach weil die Nachfrage steigt.

Mieterinitiativen fordern, dass Wohnungen keine Ware sein sollten.
Ich muss natürlich sehen, dass ich meine Wohnungen vermietet bekomme. Aber ich weiß auch, was es ausmacht, wenn man die Wohnung verliert. Ich habe auch schon mal eine Räumungsklage angestrengt, die ich dann aber fallen gelassen habe, weil am Ende doch gezahlt wurde.

Aber Sie wollen doch auch verdienen.
Sicher. Und es sind momentan auch wirklich gute Zeiten für Vermieter. Aber ich nehme nicht jeden Euro mit, den ich verdienen könnte. Und nach meinem Gefühl gibt es eine Menge anderer Hausbesitzer, die das auch nicht tun.

Wollen Sie nicht verkaufen?
Ich habe das mal überschlagen: Noch bediene ich ja den Kredit bei der Bank. Mir gehört das Haus zu vielleicht 40 Prozent. Wenn ich nun verkaufen würde und meinen Kredit komplett zurückzahle, würden rund 500.000 Euro bei mir bleiben.

Das wäre ein schönes Zubrot zur Rente.
Ja. Aber dann wird das Haus kernsaniert und alle Mieter fliegen raus. Und für mich spielt außerdem auch eine Rolle, dass ich eine Aufgabe haben möchte, in einem gewissen Umfang gebraucht werden will.

Wie wohnen Sie eigentlich selber?
Ich wohne im Wedding. Zur Miete.

Das Gespräch führte Tiemo Rink.

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