Vermisste Amina : Polizei geht nicht mehr von Verbrechen aus

Die Berliner Polizei geht im Fall der seit Montag vermissten Amina Ganda nicht von einem Verbrechen aus. Die 15-Jährige wurde inzwischen mehrere Male in Berlin gesehen. Die Suchaktion wurde aber fortgesetzt.

Berlin - Viereinhalb Monate nach dem Verschwinden von Georgine Krüger wird in Berlin-Moabit seit Montag erneut ein Mädchen vermisst. Erste Befürchtungen, dass die 15-jährigen Amina Ganda einem Verbrechen zum Opfer gefallen seien könnte, zerstreuten sich heute jedoch. Das Mädchen sei am Mittwoch in einem Laden in unmittelbarer Nähe zur Wohnung ihrer Mutter gesehen worden, sagte Michael Havemann vom Landeskriminalamt Berlin. Die Ermittler gingen daher zunächst nicht mehr von einem Verbrechen aus. Am Morgen hatte die Polizei mit einem Großaufgebot noch eine Suchaktion in Moabit begonnen und eine 20-köpfige Sonderkommission gegründet.

Die Jugendliche wurde am Mittag ein weiteres Mal gesehen, teilte die Polizei mit. Ein Zeuge habe sie im Europa-Center in Charlottenburg beobachtet, sagte ein Polizeisprecher. "Wir sind guten Mutes, dass wir sie bald finden", fügte er hinzu. Auch würden Parallelen mit dem Verschwinden von Georgine Krüger hierdurch noch unwahrscheinlicher.

Wenig Parallelen zu Georgine Krüger

Nach den Worten Havemanns hatte die Ermittler ursprünglich einen Zusammenhang zum Fall der seit Ende September vermissten Georgine Krüger vermutet. Die beiden Mädchen hätten die selbe Schule besucht und einen ähnlichen Freundeskreis gehabt. Daher seien die Ermittlungen zu Beginn "derart massiv geführt" worden, führte er an. Seitdem aber bekannt sei, dass die Verkäuferin die Jugendliche gesehen und mit ihr gesprochen habe, seien die Verbindungen "nicht mehr relevant", führte der Kriminaloberrat an.

Georgine Krüger war am 25. September 2006 ebenfalls in Moabit auf dem etwa 200 Meter langen Heimweg verschwunden, nachdem sie an der Perleberger Straße Ecke Rathenower Straße aus dem Bus gestiegen war. Trotz groß angelegter Suchaktion fehlt von ihr weiterhin jede Spur. Die Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass sie Opfer eines Verbrechens wurde.

Amina, die eine deutsche Mutter und einen schwarz-afrikanischen Vater hat, wird seit Montagmittag vermisst. Ihre Mutter hatte sie zum Einkaufen in einen Supermarkt in der Turmstraße geschickt, wie Havemann sagte. Sie kehrte jedoch nicht in die nahe gelegene Wohnung ihrer Mutter in der Zwinglistraße zurück. Nach Angaben der Polizei gilt das lernbehinderte Mädchen als zuverlässig und hat auch noch nie außerhalb übernachtet. Von einem Freund sei nichts bekannt, unterstrich Havemann. Zu ihrem Vater, der in Westdeutschland leben soll, bestehe kein Kontakt. Die 15-Jährige besitzt kein Handy, mit dem sie kontaktiert oder geortet werden könnte.

Groß angelegte Suchaktion

Laut Polizei beteiligten sich an der Suchaktion knapp 80 Beamte einer Einsatzhundertschaft. Sie befragten Anwohner, hängten Plakate auf und durchkämmten den Bereich Zwinglistraße Ecke Ottostraße. Auch Spürhunde kamen zum Einsatz. Die Wasserschutzpolizei suchte mit Schiffen die nahe gelegene Spree ab. Bis zum Nachmittag blieb die Suche jedoch erfolglos.

Amina Ganda ist 1,67 groß und hat eine mollige Figur. Sie trägt eine Brille mit einem dunklen Metall-Gestell. Sie hatte am Tag ihres Verschwindens eine Bluejeans, eine blaue Jacke, darunter eine knallrote Trainingsjacke sowie rote Sportschuhe an. Hinweise zu ihrem Verbleib nehmen die Vermisstenstelle des Landeskriminalamts, Keithstraße 30 in Berlin-Tiergarten entgegen.

Telefonnummer: (030) 4664 - 91 24 14, Fax: (030) 4664-91 24 99, E-Mail: vermisstenstelle@polizei.berlin.de. Ansonsten nimmt auch jede andere Polizeidienststelle Hinweise entgegen. (Von Mirko Hertrich, ddp)

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