• Vermisster Elias aus Potsdam: Polizei rekonstruiert die letzten Stunden vor dem Verschwinden

Vermisster Elias aus Potsdam : Polizei rekonstruiert die letzten Stunden vor dem Verschwinden

Die Polizei schließt im Fall des vermissten Elias aus Potsdam einen Unfall aus. Doch Hinweise auf ein Verbrechen hat sie auch nicht. Der Sechsjährige wird seit dem 8. Juli vermisst.

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860 Hinweise sind bisher bei der Soko eingegangen.
860 Hinweise sind bisher bei der Soko eingegangen.Foto: dpa

Im Fall des seit mehr als drei Wochen vermissten sechsjährigen Elias aus dem Potsdamer Stadtteil Schlaatz gehen die Ermittler jetzt in die Feinarbeit. Am Freitag rekonstruierten sie mit den Eltern des Jungen die letzten Stunden vor seinem spurlosen Verschwinden, prüften die Wege, auf denen die Mutter am Nachmittag des 8. Juli mit dem Jungen von der Schule nach Hause gegangen ist.

„Wir wollten sehen, welche Perspektive der Junge gehabt hat“, sagte ein Polizeisprecher. „Es ging um die Frage, welche Strecke er gelaufen ist, ob er auf etwas aufmerksam wurde oder es Anreize gab, sich irgendwo hinzubegeben. Oder gab es Überwachungskameras, die wir bisher nicht ins Kalkül gezogen haben.“ Nun müssen die Ermittler die Rekonstruktion noch auswerten.

Elias war am Nachmittag um 17 Uhr mit Erlaubnis der Mutter – wie so oft – auf den Innenhof des Plattenbaus zum Spielen gegangenen. Nach Angaben der Mutter habe er sich stets abgemeldet, wenn er zum nahen Spielplatz gehen wollte. An diesem Tag aber war er plötzlich nicht mehr da. Einen ersten Suchaufruf hatte die Mutter um 18.30 Uhr bei Facebook veröffentlicht, um 19.12 Uhr wurde die Polizei alarmiert.

Fremdeinwirken kommt mehr in den Fokus

Bisher ging die Polizei immer von drei Szenarien aus: Elias könnte weggelaufen sein. Das halten die Ermittler aber nach Befragungen im Familienumfeld für unwahrscheinlich. Oder es könnte ihm ein Unglück zugestoßen sein. Aber auch dies ist nach Meinung der 60-köpfigen „Soko Schlaatz“ bislang vermutlich nicht der Fall. Denn Helfer und Polizei haben noch am Abend des Verschwindens eine Suchaktion gestartet. Die Polizei suchte täglich mit bis zu 170 Beamten die Gegend ab, insgesamt 1900 Polizisten waren beteiligt und befragten 1200 Anwohner, Bagger hoben den Fluss Nuthe am Rande des Wohngebietes aus, Spürhunde waren im Einsatz, Experten werteten Überwachungskameras aus Bussen, Straßenbahnen, Tankstellen, Supermärkten und Bahnhöfen aus – ohne Erfolg.

Die Ermittler vermuten deshalb, dass Elias Opfer eines Verbrechens wurde. Der Polizeisprecher sagte: „Wir müssen ein Fremdeinwirken immer mehr in unseren Fokus nehmen. Und das tun wir auch.“ Allerdings gebe es bisher keinerlei Hinweise auf eine Straftat. Deshalb könne die Polizei auch nicht von einem Verbrechen sprechen. Genau das sei das Schlimme an diesem Fall – diese Ungewissheit, sagen Ermittler.

Mehr als 860 Hinweise sind bisher bei der Soko eingegangen. Ein heißer Tipp, eine vielversprechende Spur war aber nicht dabei. Die meisten Hinweise – selbst einige Hellseher hatten sich gemeldet – seien mittlerweile geprüft worden. Weil immer weniger Hinweise eingehen, hat die Polizei eine eigens eingerichtete mobile Wache zu Wochenbeginn aus dem Schlaatz wieder abgezogen.

"Wir gehen allem nach"

Die Ermittler überprüfen nun noch einmal ältere Spuren, immer in der Hoffnung, etwas übersehen zu haben. Am Mittwoch wurde erneut die Potsdamer Innenstadt mit besonders ausgebildeten Spürhunden abgesucht, um eine in der Vorwoche gefundene Geruchsspur zu verfolgen. Anders als Fährtenhunde verfolgen die auch Mantrailer genannten Hunde nicht den genauen Weg eines Vermissten, sondern erschnuppern anhand von Hautpartikeln, wo sich dieser aufgehalten haben könnte.

Die Geruchsspuren müssen nichts mit dem Verschwinden zu tun haben: Die Hunde erschnuppern, wo sich Elias aufgehalten hat: „Wir gehen allem nach“, sagte der Polizeisprecher. Erneut angeschlagen hat der Suchhund nicht.

Am Schlaatz selbst wollten die Anwohner Zeichen der Hoffnung setzen. Am Sonntag hatten sie für Elias rund 150 bunte Luftballons über Potsdam aufsteigen lassen. Eltern und ihre Kinder hatten Flugblätter und persönliche Botschaften befestigt.

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