Berlin : Vermisstes Mädchen tot im Hafenbecken gefunden

Die achtjährige Anastasia steckte in einem Abflussrohr fest Polizei schließt ein Gewaltverbrechen aus

Tanja Buntrock,Jörn Hasselmann

Alles Hoffen nutzte nichts. Am Freitagvormittag wurde die Leiche eines Mädchens gefunden, kurze Zeit darauf stand fest: Die achtjährige Anastasia Bierkamp ist tot. Die Polizei geht davon aus, dass das Kind beim Baden ums Leben kam. Ein Gewaltverbrechen schließen die Ermittler nach bisherigen Erkenntnissen aus.

Tegeler Hafen: Hier, zwischen Humboldtbibliothek und Hotel Humboldtmühle liegt das 1987 zur Internationalen Bauausstellung künstlich angelegte Hafenbecken. Von einem erhöht gelegenen Flachbecken fließt ein kleiner Wasserfall in ein darunter liegendes Becken. Am Dienstag ist Anastasia beim Planschen auf der oberen Ebene offenbar in das Abflussrohr geraten, das vom oberen ins untere Becken führt. „Möglich ist, dass das Kind durch das Rohr gerutscht und unten am Ausgangsrohr stecken geblieben ist“, sagte ein Ermittler. Das Rohr auf der oberen Ebene dient als Abflussrohr: Damit das Wasser des Flachbeckens abfließen kann, wenn Reinigungsarbeiten anstehen. Normalerweise ist dieses Rohr mit einem Schieber verschlossen. Dies war am Dienstag offenbar nicht der Fall. Eine Anwohnerin sagte, dass erst vor etwa einer Woche Reinigungsmänner Schlamm aus dem Becken abgetragen hätten und seither ein Gitter auf dem Rohr fehlte. Die beiden Reinickendorfer Stadträte Peter Senftleben (SPD) und Frank Balzer (CDU) bestätigten gestern, dass das Rohr „offensichtlich nicht korrekt verschlossen“ worden ist. „Das ist nun auch Gegenstand der Ermittlungen“, sagte ein Polizeisprecher.

Entdeckt hatte die Polizei die Leiche mit Hilfe einer ferngesteuerten Kamera der Wasserwerke. Weil Anastasia am Ende des etwa 35 Zentimeter breiten Rohrs feststeckte, dauerte es mehrere Stunden, bis Taucher den festgeklemmten Leichnam bergen konnten.

Wie berichtet, hatte ein Großaufgebot der Polizei seit Dienstagabend nach Anastasia gesucht. Der Vater sagte später aus, dass er seine Tochter um 15 Uhr aus den Augen verloren hatte. Anastasia konnte schwimmen und besaß das Seepferdchen-Abzeichen.

Sportstadtrat Frank Balzer lässt nun Badeverbotsschilder aufstellen. Letztlich müssten aber die Eltern ihrer Aufsichtspflicht nachkommen. Balzer wies darauf hin, dass in allen innerstädtischen Kanälen oder in Spree ein Badeverbot besteht – woran sich bei der derzeitigen Hitze die wenigsten halten.

Nach Angaben des Präsidenten der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, Klaus Wilkens, ist seit 2005 die Zahl der tödlichen Badeunfälle in der Altersklasse der 6- bis 20-Jährigen um über 50 Prozent gestiegen. Alarmierend ist für ihn zudem, dass immer weniger Kinder schwimmen lernen. Im vorigen Jahr starben in Berliner Seen acht Menschen, darunter ein Kind, im Jahrhundertsommer 2003 waren es 13.

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