Berlin : Vermittlung in andere Länder - Ausweg aus der Jobmisere?

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D Nachfrage nach Arbeit im Ausland steigt – ist das ein Ausweg aus der Jobmisere?

Nein. Aber es ist eine gute Möglichkeit für Berufstätige, Auslandserfahrung zu sammeln und sich damit für den deutschen Arbeitsmarkt zusätzlich zu qualifizieren.

Es sind oft fachlich qualifizierte Arbeitskräfte, die sich für AuslandsJobs interessieren. Droht uns irgendwann ein Mangel an Fachpersonal?

In der Umgebung Berlins haben wir den schon, etwa im medizinischen Bereich. Dort behilft man sich bereits mit Ärzten aus Polen. Ich habe dagegen große Vorbehalte. Denn so lange wir in Berlin 1300 arbeitslose Ärzte haben, sollte es gelingen, diese auch in freie Stellen in Brandenburg zu vermitteln. Viele junge Ärzte ziehen es allerdings vor, nach Großbritannien oder Skandinavien zu gehen, wo sie bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter vorfinden.

Sind die Arbeitsämter auf die neuen Aufgaben im europäischen Jobmarkt vorbereitet?

Wir machen schon heute weitaus mehr als nur Jobs zu vermitteln. In Zusammenarbeit mit den europäischen Partnervermittlern informieren wir auch über die Lebensbedingungen. Wir bieten Sprachkurse an.

Mit jedem Arbeitslosen, den Sie ins Ausland vermitteln, verliert die heimische Wirtschaft einen potenziellen Beitragszahler für Steuern und Sozialabgaben.

Auch ich wünsche mir, dass die hier arbeitslos Gemeldeten auch bei uns Arbeit finden. Aber das wird für lange Zeit noch ein Wunschtraum bleiben. So lange wir ein Verhältnis von dreißig Arbeitslosen auf einen freien Job in Berlin haben, müssen wir alle Möglichkeiten nutzen, Menschen in Arbeit zu bringen – wo immer es sei.

Das Gespräch führte Stephan Wiehler

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