Berlin : Vermutlich ausgefeiert

Fifa wenig begeistert von Wowereits Party-Idee Stadionbetreiber prüft Forderung auf Schadenersatz

Robert Ide

Offiziell soll über die Idee noch beraten werden. In den kommenden Tagen will sich der Fußball-Weltverband Fifa zum Vorschlag aus Berlin äußern, am 7. Juni am Brandenburger Tor eine Ersatzparty für die abgesagte WM-Gala zu veranstalten. „Das Schreiben von Klaus Wowereit mit diesem Anliegen ist bei uns eingetroffen“, bestätigte Fifa-Kommunikationsdirektor Markus Siegler am Wochenende. „Wir werden zügig eine Stellungnahme dazu abgeben.“ Inoffiziell könnte allerdings schon eine Vorentscheidung gefallen sein: Nach Informationen aus Fifa-Kreisen wird an der Verbandsspitze der Sinn einer Ersatzfeier bezweifelt.

Wie der Tagesspiegel erfuhr, hat es in Zürich bereits ein Spitzentreffen gegeben, auf dem die Funktionäre mehrheitlich eine Beteiligung an der Berliner Feier anzweifelten. Eine letzte Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Der Künstler André Heller hatte seine Mitwirkung bereits ausgeschlossen: „Das ist sicher nett gemeint, aber für solche Dinge stehe ich nicht zur Verfügung.“

Unabhängig von der Entscheidung könnte sich die Fifa Schadenersatzansprüchen wegen des ausgefallenen Spektakels ausgesetzt sehen. Der landeseigenen Betreibergesellschaft des Olympiastadions seien durch die Absage Kosten entstanden, etwa wegen technischer Vorleistungen sowie zu erwartender Einnahmeverluste, erklärte die Verwaltung von Sportsenator Klaus Böger (SPD). Der Stadionbetreiber prüft nun, ob er ihre Ansprüche geltend macht. Die Fifa hatte am Freitag erklärt, alle möglichen Ausfallkosten zu übernehmen.

Auch am Wochenende wurde weiter nach den wahren Gründen für die Absage gesucht. Wie berichtet, hatten sich in der Fifa mehrere Landesverbände gegen die Gala ausgesprochen und gefordert, der Verband solle sich auf den Fußball konzentrieren, nicht auf Kunst. Hinweise darauf, dass Weltmeister Brasilien aus Angst vor Verletzungen seiner Nationalspieler beim Spiel gegen Kroatien am 13. Juni in Berlin interveniert hatte, verdichteten sich. Zu Meldungen, wonach die Brasilianer bei einem Treffen mit der Fifa-Spitze kurz vor Weihnachten das Rasenproblem angesprochen hatten, sagte Siegler: „Davon ist mir nichts bekannt.“

Eine mögliche Überschreitung des Gala-Budgets von 25 Millionen Euro oder inhaltliche Differenzen wiesen sowohl die Fifa als auch Heller zurück. Dass die Verlegung des Rasens einziger Grund gewesen sein soll, bezweifeln immer mehr Beteiligte. Rainer Ernst, Chef des so genannten Rasenkompetenzteams im WM-Organisationskomitee, sagte: „Es lag sicher nicht allein am Rasen.“

Seiten 10 und 20

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