Berlin : Vernarrt in das Kino

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Die Gartenstadt Atlantic ist mit dem Namen Karl Wolffsohn verbunden. Er gehörte mit seinem Verlag „Lichtbildbühne“ zu den Pionieren der internationalen Filmpublizistik. Er pachtete zunächst in den zwanziger Jahren das LichtburgKino mit seinen 2000 Plätzen an der Behmstraße. Dem „kleinen Mann“ sollte anständige Unterhaltung geboten werden, die er sich finanziell leisten konnte. Als Jahre später die Gartenstadt-Gesellschaft auf Druck der Nazis ankündigte, den Pachtvertrag für die Lichtburg aufzuheben, wollte sich Wolffsohn damit nicht abfinden. Er war zu vernarrt in das Kino. Er beschloss einen nahezu aussichtslosen Versuch: Wenn er schon das Kino nicht weiter pachten durfte, wollte er nun Eigentümer der Gartenstadt werden. Mit Hilfe eines amerikanisch-

jüdischen Freundes gelang der Erwerb. Die Nazi-Behörden kamen dahinter, verlangten unverzügliche „Arisierung“ , Wolffsohn weigerte sich und kam 1938 in „Schutzhaft“ der Gestapo. Er wurde 1939 mit der Auflage entlassen, Deutschland innerhalb von 14 Tagen zu verlassen. 1948 wurde er Israeli, ein Jahr später kehrte er nach Berlin zurück. 1957 starb Wolffsohn.C. v. L.

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