Berlin : Verpasste Chance fürs SEZ?

CDU: Das Bad hätte längst an Investoren verkauft sein können

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Der Senat versucht, die drohende Schließung des Sport- und Erlebniszentrums (SEZ) an der Landsberger Allee doch noch abzuwenden. Zugleich kocht der politische Streit um die Freizeiteinrichtung mit ihren 125 Mitarbeitern hoch. Die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus warf dem Senat vor, Privatisierungsbemühungen nur „halbherzig“ verfolgt zu haben. Ihr sportpolitischer Sprecher, Axel Rabbach, sagte, das Bad hätte zudem schon früher einen privaten Betreiber haben können. Privatisierungskonzepte – so der CDU-Vorwurf – seien innerhalb der Großen Koalition am Widerstand der SPD gescheitert.

Für das 1700 Quadratmeter große Spaßbad, das derzeit von den Berliner Bäderbetrieben (BBB) geführt wird, sucht das Land seit geraumer Zeit einen Käufer. Am Mittwoch hatten die BBB bekannt gegeben, dass die Suche gescheitert sei – wir berichteten. Von drei Interessenten habe „keiner die Bonität besessen, um das zu realisieren“, sagte gestern der stellvertretende Sprecher der BBB, Hans Joachim Munte. Ohne Investor droht dem SEZ aber das Aus, denn das Land will seine Zuschüsse in Höhe von 4,7 Millionen Euro jährlich ab 2003 einstellen.

Die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus fordert jetzt, diesen Stopp der Zuschüsse zu revidieren und das frühere DDR-Prestigeobjekt so lange von der öffentlichen Hand weiter zu betreiben, bis ein Investor gefunden ist. Eine Schließung des SEZ ginge „einseitig zu Lasten von Kindern und Jugendlichen“, sagte der CDU-Politiker Rabbach. Die Ostbezirke Friedrichshain, Mitte und Prenzlauer Berg wären „unterversorgt“.

Der Sprecher von Sportsenator Klaus Bögers, Thomas John, bezweifelt das. „Es gibt noch andere Möglichkeiten“, sagte er. Der Senat versuche aber weiter, das Bad zu retten. „Die Situation ist sehr schwierig“, sagte der Sprecher. „Die Suche geht trotzdem weiter.“ Der sportpolitische Sprecher der PDS, Walter Kaczmarczyk, sagte: „Wir arbeiten weiter daran, die Schließung abzuwenden“.

Sein CDU-Kontrahent Rabbach kritisiert aber auch die Haltung der SPD bei früheren Privatisierungsversuchen. „Damals ist Strieder dem Ruf der Gewerkschaften gefolgt“, sagte er. Bereits 1997 und 1998 gab es Versuche, das Sport- und Erlebniszentrum zu privatisieren. 1997 habe der Münchner Investor Dibag ein „gut vorbereitetes Privatisierungskonzept“ vorgelegt, sagte Rabbach. Von SPD-Seite sei wegen des zu erwartenden Personalabbaus damals „die Notleine“ gezogen worden. „Der Schadensfall ist jetzt viel größer, weil über 120 Mitarbeiter auf Bäder verteilt werden müssen, wo sie gar nicht gebraucht werden“, sagte er.

„Lächerlich“ nennt dies der PDS-Politiker Kaczmarczyk. „Wer hat die CDU damals daran gehindert, die Privatisierung auszuführen?“ Damals habe sie „die Mehrheit im Abgeordnetenhaus gehabt, den Bürgermeister und den zuständigen Senator gestellt“.

Der zweite Interessent aus früheren Tagen gibt sich sicher, dass das SEZ längst saniert wäre, hätte er den Zuschlag erhalten. „Es gab über alle Punkte eine Einigung. Über das Personal, über die Investitionen, über das Finanzierungskonzept“, sagt der Geschäftsführer des Britzer „Blub“-Spaßbades, Harald Frisch. Er wollte das SEZ damals zusammen mit einem Partner herrichten und eine neue Sauna, einen Fitnessbereich, sowie ein Jugendhotel bauen. Der Senat entschloss sich gegen ihn. Dem Vernehmen nach wurden die Interessenten als nicht kapitalstark genug befunden. Bei der letzten Ausschreibung hat sich der „Blub“-Geschäftsführer nicht erneut beworben. „Der Zeitpunkt ist verpasst“, sagte Frisch. „Der bauliche Zustand hat sich weiter verschlechtert, die Wettbewerbssituation hat sich verändert.“

So hat das SEZ zunehmend Konkurrenz aus dem Umland bekommen. In Brandenburg sind seit der Wende rund ein Dutzend Spaß- und Thermalbäder gebaut worden. Die Potsdamer Landesregierung förderte die Projekte mit weit über 150 Millionen Euro. Auch ein Mitbewerber sagt, dass beim SEZ Chancen verspielt worden sind. „ Mittlerweile gibt es ein ausreichendes Angebot“, sagt Detlef Giese, Geschäftsführer des Spaßbades „Erlebniscity Oranienburg“. Tobias Arbinger

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