Berlin : Verrückt und erfolgreich

Claus-Dieter Steyer

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Da sage noch jemand, Brandenburg sei langweilig und ohne zündende Ideen. Diese kurze Aufzählung müsste überzeugen: drei große Sprungschanzen im Flachland bei Bad Freienwalde, FloridaGefühl im neuen Freizeitzentrum in Petzow am Schwielowsee, tropisches Flair in der ehemaligen Luftschiffhalle, ein schmuckes und großes Wald-Erlebnis-Haus in Eberswalde, ein fünftes brandenburgisches Thermalbad im Spreewald und ein auf 175 Kilometer gewachsenes Asphaltband für Skater mit immer neuen Hotels quer durch den Fläming.

Zwar müssen sich einige Projekte noch auf dem Markt beweisen. Aber Anerkennung verdient der Mut dieser Unternehmer – im besten Sinn des Wortes – in jedem Fall. Sie investieren ihr Geld bei uns und nicht irgendwo im billigeren Ausland. Arbeitsplätze entstehen dort, wo sich sonst nur Fuchs und Hase Gute Nacht sagen würden. Mit oft erstaunlicher Ausdauer überlegen sie sich Konzepte, werfen Pläne um, überreden Banken zu Krediten und zapfen Förderprogramme von Land, Bund und EU an.

Schon deshalb gebührt ihnen Lob oder zumindest Respekt. Denn in vielen Fällen müssen sie sich gegen Neider und oberflächliche Kritiken wehren, so das ab Freitag geöffnete „Resort Schwielowsee“ mit einem großen Hotel und Ferienhäusern. Die vor über 15 Jahren beendete Arbeit des Hauptinvestors Axel Hilpert in der DDR-Devisenbeschaffungsfirma spielt nun wirklich keine entscheidende Rolle mehr, als dass sie ständig wiederholt werden müsste. Zwar verstieß er mit Pfahlbauten im Schildgürtel gegen die Baugenehmigung, aber das ist längst repariert.

Ähnlich erscheint die Situation bei „Tropical Islands“. Mehr als drei Monate ließen die Behörden den malaysischen Unternehmer auf die Genehmigung zum Aufstellen von Zelten warten. Dabei zählte die Übernachtung in der gigantischen Cargolifterhalle zu den Stützpfeilern des ganzen Konzepts. Viel zu schnell wird offenbar vergessen, dass ohne Colin Au der mit Millionen Euro des Steuerzahlers errichtete Koloss gar nicht mehr stehen würde. Niemand hatte sich nach dem kläglichen Scheitern des Luftschiffabenteuers für die Halle interessiert. Seit Dezember hat der Unternehmer mit seinem Freizeittempel 700 Menschen von der Arbeitslosigkeit befreit.

Nicht ganz so beachtliche Effekte dürften vom nordischen Ski-Park in Bad Freienwalde zu erwarten sein. Aber wenigstens passiert hier etwas. Ohne das Projekt teilte die Kleinstadt das Schicksal vieler Brandenburger Orte: keine Perspektive, Abwanderung, Öde. So aber würden Sportinteressierte und Neugierige in großer Zahl zu den Wettkämpfen im Sommer und im Winter herbeiströmen und Geld und damit Arbeit bringen. Den Akteuren ist Erfolg zu wünschen, mag auch ihre Idee zunächst als verrückt erscheinen.

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