Berlin : Verschachert

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VON TAG ZU TAG

Ariane Bemmer weint dem

Winterschlussverkauf hinterher

Man sollte ja meinen dürfen, dass Einzelhändler was vom Markt verstehen. Davon, warum wer was für wie viel kauft oder kaufen würde. Davon, dass Dinge ihren Preis haben und dass grenzenlose Verfügbarkeit den Marktwert drückt. Wer liebt schon wirklich Äpfel, die überall in ungezählten Sorten angeboten werden? Nein, Mangos mit Granatäpfeln lieben die Menschen, Avocados oder Papayas. Was beim Discounter jeder kriegen kann, ist eben nichts Besonderes mehr. Champagner zum Beispiel, den hat Aldi uns schon längst ausgetrieben, heute reicht Prosecco. „Mach’ dich selten, dann wirst du was gelten“, rät die Mutter der Tochter, wenn die Jungs auf der Matte stehen. Und: Nicht schon wieder, sagt man, wenn man zum vierten Mal in der Woche im Restaurant essen soll, weil man möchte, dass es etwas Besonderes bleibt. Es gibt also genug Gelegenheiten, die zeigen, dass das unendliche Angebot das Interesse am Angebotenen zerrüttet. Und was macht der Handel? Bombardiert uns mit Rabattaktionen, mit Sonderrabatten, Samstagsrabatten, Freitagsrabatten, Zwei-für-eins-Rabatten oder Nur-heute-Rabatten. Und was ist passiert? Die Lust auf Rabatte verging. Wenn sie da schon hängen, die riesigen Schilder mit den Prozentzeichen drauf, dann ergreift man doch am liebsten die Flucht.

Und deshalb ist jetzt traurig, arm und einsam der Winterschlussverkauf zu Grunde gegangen. Seit gestern ist er vorbei, zwei Wochen hat er gedauert, er kommt nie wieder, aber kaum jemand hat es mitbekommen. Der Handel hat ihn verschachert. Und uns erwarten in Bälde die nächste Rabattaktion.

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