Berlin : Verschiedene Wege aus dem Single-Dasein (Glosse)

Gerd Nowakowski

"Nie mehr einsam", verspricht eine große Boulevardzeitung und startet eine Single-Aktion. Und schon haben Sandra und Dirk ihr erstes "blind date" gebucht. Er ist Beamter und sie Sachbearbeiterin, beste Voraussetzungen, findet die vom Blatt eigens angeheuerte Psychologin. Ein Radiosender geht gleich aufs Ganze: Gefahndet wird nach Menschen, die sich "die verrückteste Liebe ihres Lebens" trauen - und sich trauen, standesamtlich, ohne sich vorher gesehen zu haben. Mehr als 500 Frauen und Männer sollen sich schon gemeldet haben, was belegt, welch beklagenswerter emotionaler Notstand herrscht in den Wohnstuben.

Ganz, ganz altmodisch sieht dagegen Nicolai de Treskow aus. Aber der nennt sich auch "Deutschlands einziger Minnesänger", ist quasi per Beruf im Mittelalter. Ein Anruf und schon verheiratet - nein, so etwas braucht Zeit. "Zum Traummann in dreißig Tagen", lautet Treskows Angebot. "Wer seine Traumfrau finden möchte, muss erst selbst zum Traummann werden", weiß der Minnesänger, der vom Stadtmagazin "Tip" in der Liste der hundert peinlichsten Persönlichkeiten Berlins auf Platz 67 platziert wurde. "Persönlichkeitsschulung, Ausbildung in Haushaltsführung, Benimmregeln nach Knigge, Unterricht in Allgemeinbildung" stehen beim "gefragten Experten in Sachen Liebe" (Selbstwerbung) auf dem Programm.

Zumindest in einem Punkt aber macht der Minnesänger das bessere Angebot. Stellt sich nämlich der von Radio oder Zeitung vermittelte Traumpartner als Flop heraus, müssen sich die enttäuschten Eheleute dennoch ein Leben lang ertragen. Falls es dagegen bei de Treskow nicht klappt, gibt es zumindest eine "Geld-zurück-Garantie".

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