Berlin : Verschimmelt, verstopft und brandgefährlich Schornsteinfeger und Kripo:

Entlüftungsanlagen voller Mängel

Marc Neller

Abluftanlagen sind häufig eine Gefahr, vor allem in großen Wohngebäuden: Sie werden zu selten gewartet, sind unhygienisch und häufig Ursache von Wohnungsbränden. Zu diesem Ergebnis kommt die Berliner Innung der Schornsteinfeger. Acht von zehn Entlüftungsanlagen in Berlin „weisen erhebliche Mängel“ auf, sagte gestern Innungsmeister Werner Christ. Das habe eine Stichprobe in Berliner Wohnhäusern, Kantinen, Hotelküchen und Imbissen im vergangenen Jahr ergeben. Zudem stützt sich die Innung auf ein von ihr in Auftrag gegebenes wissenschaftliches Gutachten. Auch wenn es keine gesicherten Statistiken gebe, sei das Problem „akut“, heißt es darin.

Laut Innungsmeister Christ werden viele Anlagen „nur alle paar Jubeljahre einmal fachgerecht gereinigt“. Für Dunstabzugshauben wie auch für Ent- und Belüftungsanlagen in fensterlosen Bädern gilt: Hausstaub, Fette oder Körpersprays lagern sich in den Schächten ab und verstopfen diese. „Das führt häufig so weit, dass aus den Gittern gefährliche Schimmel- und Staubteppiche herauswachsen“, Krankheiten oder Allergien können die Folge sein.

In jedem Fall steigt die Brandgefahr. Feuerwehrsprecher Jan-Peter Wilke: „Auch wir stellen fest, dass schlecht gereinigte Lüftungssysteme eine häufige Brandursache sind.“ Wenn ein solches System anfange zu brennen, dann liege das in neun von zehn Fällen an der ungenügenden Reinigung. „Das geht manchmal sehr schnell: Die Ventilatoren saugen Luft an, Staub und Schmutz wickeln sich um die Wellen der Ventilatoren. Die setzen sich irgendwann fest, drehen aber weiter und werden dann heiß.“

Wilke stimmt auch dem Befund der Schornsteinfeger zu, dass vor allem Altneubauten aus den 50er und 60 Jahren sowie Hochhäuser mit vielen Stockwerken gefährdet sind. „Dort hängen meist viele Haushalte an einer einzigen Anlage. Wenn diese Feuer fängt, breitet sich der Brand über den Schacht sehr schnell aus.“ Mehrere schwere Brandunfälle werden so jährlich verursacht, mitunter mit Todesfolge, teilt auch das Branddezernat der Kriminalpolizei mit. Genaue statistische Zahlen gibt es allerdings auch dort nicht.

Unterdessen forderte die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen, Claudia Hämmerling, eine Überprüfungspflicht für Abluftanlagen. Doch eine Sprecherin des zuständigen Bausenators Peter Strieder (SPD) ist eher skeptisch. „Das Thema ist seit Jahren bekannt. Und es gibt staatlich zertifizierte Firmen, die diese Anlagen überprüfen.“ Schornsteinfeger-Chef Christ hält dagegen: „Es fällt auf, das bei fast jeder dritten Neuinstallation Probleme auftreten.“ Christ führt dies auf den verschärften Wettbewerb in der Branche zurück. „Angesichts des Preisdruckes werden schon mal Abluftablagen vernachlässigt. Oft nehmen Firmen die Anlagen ab, die sie selbst eingebaut haben.“

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