Berlin : Verschlusssache

Fahrradzeit ist Diebstahlsaison: Wie kann man sich gegen Kriminelle schützen?

Constance Frey

Autofahrer merken es am größer werdenden Pulk, der sich rechts von ihnen an der roten Ampel formiert: Die Fahrradsaison hat begonnen. Viele Berliner nehmen nun lieber das Rad als das Auto oder den Bus, um zur Arbeit und ins Grüne zu kommen. Pünktlich zum Saisonauftakt wird heute die Wannseeroute wiedereröffnet, deren 28 Kilometer lange Radstrecke neue Wegweiser erhielt. Sie führt vom Schloßplatz in Mitte und endet an der Glienicker Brücke.

Bis zu 500000 Berliner sind täglich auf dem Rad unterwegs, schätzt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Berlin (ADFC). Allerdings ist Freiluftsaison auch Diebstahlsaison. 22 362 entwendete Fahrräder wurden im vergangenen Jahr registriert, 2003 waren es 23153. Die Aufklärungsquote liegt konstant um fünf Prozent. Weil die meisten Besitzer das wissen, melden viele den Diebstahl erst gar nicht, sagt Benno Koch vom ADFC. Er glaubt, dass mehr Menschen Rad fahren würden, wenn das Diebstahlrisiko geringer wäre.

Dazu kann jeder beitragen. Erste Regel: Das Rad immer so anschließen, dass es nicht fortgetragen werden kann. Rahmen und Hinterrad sind die wertvollsten Teile am Rad und sollten immer mit gesichert werden. Wer sein Rad nachts abstellen muss, sollte sich den Ort genau überlegen. An Bahnhöfen verschwinden zum Beispiel oft Räder. Was das Schloss angeht, gilt die Regel: je teurer, desto besser. „Ab 25 Euro sind die Schlösser meist gegen Vereisungsspray oder Eisensägen gesichert“, sagt Hans-Joachim Ehrlichmann, Fachberater bei Fahrrad-Stadler in Charlottenburg. „Ab 50 Euro können Diebe das Schloss in der Regel nicht mehr aufbohren.“ Er rät zu längeren, beweglichen Ketten oder Schlössern mit Drahtgeflecht, die sich zum Beispiel um Laternenpfähle schlingen lassen. Das sei mit Bügelschlössern nicht möglich.

Nach der Devise: „Was hässlich ist, klaut keiner“ rät der ADFC, das Rad wenig attraktiv erscheinen zu lassen. Wer keine Lust hat, auf einem alten oder unansehnlichen Rad herumzufahren, sollte Schriftzüge mit Markennamen entfernen und auf auffällige Lackierungen verzichten. Eine Umlackierung kostet je nach Angebot zwischen 100 und 150 Euro. Bei professionellen Dieben hilft das allerdings nicht: Sie erkennen ein teures Rad auch ohne Originalfarbe.

Eine Radcodierung hilft gegen Weiterverkauf des gestohlenen Stücks. Der individuelle Code wird für rund zehn Euro beim ADFC und in einzelnen Fahrradläden in den Rahmen graviert. Auch die Polizei bietet regelmäßig Termine an, bei denen man sein Rad markieren lassen kann. Wer aus zweiter Hand kauft, sollte nicht nur nach einer Codierung am Fahrrad suchen, sondern sich auch über Herkunft anhand der Kaufbelege schlau machen.

Die meisten Hausratsversicherungen schließen das Rad gegen Aufpreis mit in den Vertrag ein. Eine Einschränkung gilt nachts, das abgestellte Rad muss dann in einem geschlossenen Raum oder der Wohnung geklaut werden, damit sie zahlen. Ansonsten ist das Rad überall versichert, ob vor der Kneipe oder dem Kino, oder wenn es tagsüber im Innenhof abgestellt wurde. Für Besitzer, die ihr Rad nachts nicht wegschließen können, gibt es Spezialversicherungen. Da die Jahresbeiträge je nach Tarif zwischen 50 und 280 Euro liegen, lohnen sie sich aber erst ab einem Wert des Rades von 500 Euro. Die Stiftung Warentest rät, die Angebote genau zu prüfen, jede Versicherung stellt eigene Bedingungen, unter denen sie für das gestohlene Rad zahlt.

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