Verschmähte Einbruchsbeute : 197,50 Drachmen sind noch da

Es war einmal eine uralte Währung, 2500 Jahre alt. Die wurde vom Euro abgelöst. Aber dann stand auf einmal der Grexit vor der Tür. Was erzählen jetzt die antiken Münzen aus dem fernen letzten Jahrhundert dem Eindringling, der sie zufällig in die Finger bekommt?

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Vergangene Währung: Griechische Drachmen. Foto: Herbert Knosowski
Vergangene Währung: Griechische Drachmen.Foto: Herbert Knosowski

Werte Einbrecher, als Sie uns anno 2000, im Jahr vor der Euro-Ankunft in Hellas, bei Ihren Raubzügen über die Dächer von Piazza di Stoccarda heimgesucht haben, stießen Sie tief in der hintersten Ecke meines Schreibtischs auf eine goldbarrenschwere Kassette, deren Inhalt wir später ausgeschüttet auf dem Boden vorfanden. All diese vielen schönen Münzen aus 25 Reiseländern hatten Sie verschmäht, darunter 20 Metallstücke im Wert von einer halben, zwei, fünf, zehn und zwanzig Drachmen: 197,50.

Hätten Sie, liebe Panzerknacker, das nette Sümmchen damals konservativ angelegt, wären Sie wohl, das räume ich ein (selbst bei illegaler Nichtdeklarierung der Zinsen) auf keinen grünen Zweig gekommen. Ihre Bande, meinte die Polizei seinerzeit zu uns, sei osteuropäischer Herkunft – und da aktuell gerade wieder Trupps dieser Provenienz auf Dienstreise vor Ort agieren, vermute ich mal, Sie haben sich längst auch ohne exotisches Klimpergeld als Familienunternehmen der zweiten Generation oder Franchise-Firma stabil etabliert.

Was man über die olle zweieinhalbtausendjährige Drachme, deren Comeback dieser Tage beschworen wird, eher nicht sagen kann! Für meinen stolzen, stattlichen Charlottenburger Drachmen-Turm hätten Sie, geehrte Kriminelle, im Jahr 2001 beim Euro-Umtausch gerade mal 58 Cent bekommen – das verschlägt uns wirklich allen Spott und demonstriert jedem die Undenkbarkeit einer wie auch immer gerarteten Zurückbeamaktion ins Athen der 1970er Jahre, als der Interrail-Tourist für ’nen Ouzo mit Snack ein paar Pfennige zahlte.

Gentlemen, falls Sie wieder mal vorbei- und auf meine Münzen schauen: Lassen Sie sich, wenn schon nicht von der Währungsgemeinde, wenigstens vom Bildungsreiz der europäischen Wertegemeinschaft und vom historischen Pathos griechischer Prägungen faszinieren! Vom Demokratie-Erfinder Perikles, vom Atom-Erdenker Demokrit, vom Welterklärer Aristoteles und von den letzten beiden griechischen Königen eines Oldenburger Adelsgeschlechts, für deren Wappen zwei Kerle mit Keulen (Juncker & Draghi? Tsipras & Varoufakis?) furchteinflößend posieren. Das ist dann Geschichte im Schnelldurchlauf: Die Doppeldrachme von 1978 zeigt zwei Knarren mit dem Ölzweig des Friedens und einen Guerilla-General aus dem 19. Jahrhundert; die 20er-Münze von 1986 präsentiert das „Schatzhaus der Athener“ am Orakelort Delphi … Haben Sie, bei Ihrem harten Job, überhaupt Sinn für so viel Symbolik? Den Witz von der Regierungsanfrage in Delphi erzähle ich Ihnen dann ... beim nächsten Mal.

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