Berlin : Verschollen in der Wüste: Jetzt ermittelt Interpol Abenteuerlich

Panne, Unfall oder Überfall? Berliner Biker in Sahara vermisst

Felix Lee

Die „Gräberpiste“ ist bei Bikern beliebt. Sie ist 430 Kilometer lang, geht quer durch die algerische Sahara und ist abgesehen von einigen Dünenstellen ungefährlich. Und trotzdem: Seit dem 22. Februar fehlt von Christian G. (37) aus Berlin jede Spur. Zusammen mit drei Bikern aus Deutschland und einem aus den Niederlanden wurde er zuletzt in der Nähe der Wüstensiedlung Illizi gesehen, rund 1000 Kilometer südlich der Hauptstadt Algier.

Was ist passiert? Nur eine Panne? Oder ein Unfall? Ein Überfall womöglich? Inzwischen ermittelt auch Interpol.

Neben Christian G.s Gruppe werden noch zwei andere Gruppen vermisst, eine aus Deutschland und eine aus der Schweiz, die in der Region mit Motorrädern und einem Kleinbus unterwegs waren. Bekannte von Christian G. wollen deshalb nicht an eine Panne oder einen Unfall glauben. „Das kann doch kein Zufall sein.“ Alle Biker seien unabhängig voneinander gefahren. Alle gelten als „Sahara-erfahren“. Entgegen anders lautenden Medienberichten könne man daher auch nicht von Leichtsinn sprechen, sagen sie. Und verirren würde sich heutzutage dank der modernen Satellitennavigation ohnehin auch kaum einer mehr.

Ein weiterer Bekannte der Reisegruppe aus Frankfurt/Main glaubt auch nicht an einen Unfall. „Sonst hätte man längst Spuren entdeckt.“ Auch angebliche Unwetter habe es in dieser Zeit nicht gegeben. Das bestätigten in einem Internetforum auch Reisende, die sich zeitgleich in der Region aufhielten.

Das Wort Entführung mag aber keiner aussprechen. Auch die deutsche Botschaft in Algier nicht, die eng mit den Behörden zusammenarbeitet. Sie rät momentan aber davon ab, die Region ohne erfahrene Reiseleiter zu bereisen.

Christian G. und seine drei Begleiter hatten die Reise bei einem Erlebnisreise-Veranstalter gebucht. Doch die letzte Tour unternahmen sie ohne örtlichen Führer. Rüdiger Sauerland vom Erlebnis-Reiseveranstalter „Blue Planet“ findet genau dies leichtsinnig. Zwar seien die Menschen, die dort leben, in der Regel gastfreundlich, aber verlassen könne man sich darauf nicht.

Mit dem Motorrad durch die Wüste ist ein Abenteuer, das viele lockt. Nach dem Verschwinden der Reisegruppe warnt jetzt aber die Deutsche Botschaft in Algier ( www.allemagne-dz.org ). Zwar will sie keine offizielle Reisewarnung für die ganze Region aussprechen, aber sie rät, sich zwischen El Oued, Illizi und Djanet nur auf der Hauptstraße zu bewegen. Zudem empfiehlt sie Reisen nur mit erfahrenen Führern. lee/Foto: AP

Mehr im Internet unter:

www.auswaertiges-amt.de

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