Berlin : Versetzung gefährdet

Steglitz-Zehlendorf will seine Schulstationen schließen

Aliki Nassoufis

Es ist Pause. Auf den Gängen der Freiherr-von-Hünefeld-Grundschule in Steglitz toben Kinder, doch in einem Raum im Erdgeschoss ist Ruhe. Die Zweitklässler Justin und Ahmed machen ihre Hausaufgaben in der Schulstation, die von der Schließung bedroht ist. Die „Schul-Oase“ ist ein kleiner Raum mit Spielzeug, einem Sofa und einem Mini-Zelt, das als Rückzugsmöglichkeit genutzt werden kann. Mit ihr sollen 13 weitere Schulstationen in Steglitz-Zehlendorf den Sparmaßnahmen des Bezirks zum Opfer fallen. Am heutigen Dienstag wird im Jugendhilfeausschuss über ihre mögliche Schließung debattiert. Neben der Hünefeld- haben auch die Dunant- und die Bäke-Grundschule bereits Alarm geschlagen.

Von den 400 Hünefeld-Grundschülern sind 35 Prozent ausländische Kinder, die oft mit sprachlichen und kulturellen Problemen zu kämpfen haben. Doch nicht nur sie nutzen die Schulstation: „Zu uns kommen Kinder aller sozialer Schichten“, sagt der Leiter der Schulstation, Sozialpädagoge Lothar Hübener. „Wir haben einen großen Anteil an allein erziehenden Müttern, in Trennung lebende Eltern und eine hohe Arbeitslosenquote.“ Die Bandbreite der Sorgen und Nöte ist deswegen groß. „Individuelle Hilfe ist wichtig“, sagt Hübener. Seine zwei Mitarbeiterinnen und er helfen bei den Hausaufgaben, bei Gesprächen mit dem Jugend- oder Sozialamt und führen Gespräche mit den Kindern und Lehrern. Wird die „Schul-Oase“ geschlossen, können familiäre, soziale und schulische Probleme nicht mehr so intensiv aufgefangen werden. „Eine Schließung aus Kostengründen ist zu kurzfristig gedacht“, findet Lothar Hübener. Er verweist auf die hohen Folgekosten sozialer Verwahrlosung und auf die vielen Kinder, die Hilfe brauchen.

Das ZDF zeigt am 4. April um 16.50 Uhr in der Kindersendung „logo!“ einen Bericht von der Schulstation der Dunant-Grundschule.

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