Berlin : Versorgungsstopp?: Mietern droht das große Zittern

Cay Dobberke

In zwölf Berliner Wohn- und Geschäftshäusern müssen die Mieter befürchten, bald zu frieren und kein warmes Wasser mehr zu haben, weil die wirtschaftlich angeschlagene Eigentümerfirma Appel Grundvermögen seit Monaten nicht mehr für die Fernwärme zahlt. Die Bewag will am 14. März die Versorgung stoppen, falls die Schulden in einer Höhe von 450.000 Mark nicht bis dahin beglichen werden können.

In Briefen an die Mieter begründete die Bewag dies mit der "seit Juli 2000 nicht mehr erfolgten Begleichung" der Betriebskosten. Sprecher Uwe Lemm sagte, die Firma Appel habe auf Mahnungen nicht reagiert. Diese teilte dagegen mit, sie habe Kontakt zum Energieversorger aufgenommen und rechne damit, dass die angedrohte Sperrung "nicht passiert".

Betroffen sind die Häuser Kurfürstendamm 137, Brandenburgische Straße 73, Kantstraße 102, Lietzenburger Straße 90, Spichernstraße 1 und Windscheidstraße 29 in Charlottenburg-Wilmersdorf, außerdem in Mitte die Sprengelstraße 23 im Ortsteil Wedding und die Moabiter Bugenhagenstraße 2. Die übrigen vier Adressen hatte der Bewag-Sprecher am Montag nicht parat.

Am Kurfürstendamm hat das vor kurzem im Parterre eröffnete Telefongeschäft jetzt seine Mietzahlungen eingestellt. "Alles ist verrottet", ärgert sich der Betreiber Daniel Rose, zum Beispiel lasse sich die Heizung nicht abstellen. Der langjährige Mieter Achim Berndt beklagt fehlende Sanierungen: "Im Haus ist seit zehn Jahren nichts mehr gemacht worden." Appel Grundvermögen hatte es Ende 1999 gekauft.

Die Immobilienfirma versucht derzeit mit anwaltlicher Hilfe, ein Insolvenzverfahren abzuwenden. Sie besitzt eine Reihe weiterer Häuser, viele ihrer Gläubiger sind Handwerksfirmen. Gerade wandten sich Halenseer Mieter aus der Westfälischen Straße 46 / Kurfürstendamm 131 ans Bezirksamt, weil die Sanierung des eingerüsteten Altbaus nicht vorangeht (wir berichteten). Das Charlottenburger Haus Schlüterstraße 57-59 soll am 23. Mai zwangsversteigert werden.

Eines der Gebäude, die nun vom Fernwärmestopp bedroht sind, nutzt der Vermieter zum Teil selbst. Die Lietzenburger Straße 90 zählt zu den vier Firmensitzen in Berlin. Im Haus an der Brandenburgischen Straße frieren vielleicht bald auch Freier: Dort liegt das durch seine Gerichtserfolge bekannt gewordene Bordell "Café Pssst!".

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